Ein tapferer Kämpfer in andächtiger Pose: Wie krass ist das denn? Hat man so was schon gesehen? Das ist ja fast wie bei Wagner. Wie, wirklich eine Oper? Eine Metal-Oper? Geht so was? Hat es so was je gegeben? Da steigen die Erwartungen ja ins Unermessliche...
Genug gelästert, lassen wir diese Griechen doch erst mal machen, schließlich kommt es auf eines mehr dieser ambitionierten Musiker-Vorhaben auch nicht mehr an. Und erst recht nicht, falls sich das Ergebnis hören lassen kann.
Initiator und Macher hinter „The Tale Of Man“ ist Yannis Androulakakis, der sich für seine vertonte Heldensaga von Michael Moorcocks „Eternal Champion“ inspirieren ließ. Neben den Gitarren und Teilen des Gesangs zeichnet er auch alleine für die restliche Musik verantwortlich. Was der Hinweis auf 'Programming' bedeutet, sollte dabei jedem klar sein. Und somit auch, dass wir es hier nicht mit einem Großprojekt zu tun haben. Bekannte Namen fehlen hier sowieso, auch beim Gesang, der sich auf vier Charaktere verteilt.
Nach Ausklang des Erzähl-Intros (zwischen den Songs wird natürlich ausführlich palavert) und ansteigender Dramatik wird schnell klar, dass man diesem Projekt wohl nur was abgewinnen kann, wenn einem Symphonic Metal nicht schon komplett zu den Ohren rauskommt. Und vor allem, wenn man die nächste Jodeldiva im Metal-Zirkus ertragen kann. Angeliki Frangos heißt die Holde, deren Figur Cassandra (die Sprech-Parts übernimmt sie auch) gerade zu Anfang ziemlich häufig in Erscheinung tritt. Und damit häufiger, als es einem lieb sein kann, denn ihr Sopran ist nicht nur eindimensional, sondern auch schrill und zerrt mächtig an den Nerven. Dass ihre männlichen Gegenparts auch nicht durchweg überzeugen können (die hohen Töne teilweise...aua!), ist da kein wirklicher Trost.
Da ist man bald froh, dass der Maestro auch gerne ausführlich belegt, dass er sein Arbeitsgerät, also Gitarre und Keyboard, bestens beherrscht. Seine rasanten Abfahrten (ja, sicherlich mag er auch Yngwie Malmsteen, nicht nur Howard Shore) dauern schon mal über zehn Minuten („Days Of War“).
Und sonst? Drama, Baby! Wer sich zwischendurch ein paar Melodic- oder Power-Metal-Anteile erhofft, wartet bei ROYAL QUEST vergeblich. In dieser Oper wird schwadroniert, geschreddert, geklimpert, geflötet, gefiedelt, das Cembalo gedrückt, noch mehr geschreddert... Nach gefühlten drei Stunden (tatsächlich sind es 'nur' 67 Minuten) hat einen dieses vertonte Rollenspiel aber mal so richtig geschafft.
FAZIT: Schon tausendmal und meist besser gehört. Und vor allem weniger anstrengend. Wer mit Timo Tolkki's Avalon-Alben noch was anfangen konnte, kann vielleicht auch diese Heldenstory mal antesten. Der Rest schont lieber seine Nerven.
Punkte: 5/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 13.05.2015
Angeliki Frangos, Vasilis Axiotis, Basil, Yannis Androulakakis
Yannis Androulakakis
Yannis Androulakakis
Programming: Yannis Androulakakis; Violine: Kallipoli Mitropoulou
Eigenproduktion
67:31
22.05.2015