Abwarten, sich fallen lassen, der Stille Raum geben, dem ewigen Herbst Sonnenstrahlen entlocken, aber auch von Verloren- und Abgeschiedenheit erzählen die Texte auf „Fields“, dem Projekt des Bergneustädter Pianisten Stefan Heidtmann und seiner Freunde. Die Musik schafft die entsprechenden Klangflächen, geht eine Einheit mit dem Text ein, löst sich aber an entsprechenden Stellen auch, um den einzelnen Beteiligten Raum zu geben.
Sandra Klinkhammer, eigentlich gelernte Klarinettistin, ist eine unprätentiöse Sängerin. Ihre helle, klare Stimme, nur den Hauch verhangen, der nötig ist, um Geheimnisse und Tiefen möglich scheinen zu lassen, ist ein vorzüglicher Träger für die andeutungsreichen, knappen Satzkonstruktionen. Die Musik dazu weiß um die Kraft von Auslassungen und Pausen, versäumt aber nicht andere Momente kraftvoll zu betonen. So bekommt jeder Instrumentalist Raum, darf solistisch oder als Frontmann gleichgestellter Partner brillieren. Dabei wird der songorientierte Kontext kaum verlassen, die Soli sind lakonisch, intensiv, stimmungsvoll und besitzen jene Substanz, die über einlullende Easy-Listening-Beschallung weit hinausreicht.
Was auch und besonders für das gemeinschaftliche Agieren gilt. Die Stücke bleiben angenehm kantig, bekommen gelegentlich sinistere Untertöne, vor allem wenn Stefan Heidtmann weitere Tasteninstrumente flächig stützend einsetzt. Gemeinsam mit Bassist André Nendza gelingen packende Skizzen („Homage“). Das erinnert beiläufig an PAT METHENY in hochkonzentrierten Momenten, aber auch an die Soundtrack-Arbeiten von MILES DAVIS und MARK ISHAM, zwischen deren Polen sich Trompeter Oscar Kliewe ausdrucksstark bewegt.
„finally I hear my own quiet/the moment between shadow and darkness/what I reach for has no name“ – “Blue Days”. Mehr Jazz als Pop, mit viel Seele sind STEFAN HEIDTMANN & FRIENDS ideale Begleiter durch alle mitternachtsblauen Stunden.
FAZIT: „Fields“ ist ein klanglich exquisites Album, das auf leisen Sohlen so tut als wäre es stilvoller Lounge-Jazz mit dezenten Pop-Anleihen. Doch diese Lounge hat eine Hintertür, durch die man auf einen dunklen Malstrom blicken kann. Bevor man hineintritt und aufgesogen wird.
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.04.2015
André Nendza
Sandra Klinkhammer, Martell Beigang
Stefan Heidtmann
Martell Beigang
Oscar Kliewe (trumpet)
Jazzsick Records/in-akustik
51:19
27.03.2015