Zurück

Reviews

Sunrise Auranaut: The First Cosmic

Stil: Instrumental Space Prog

Cover: Sunrise Auranaut: The First Cosmic

Seine dritte Scheibe konzipiert der russische Einzelkämpfer Vitaly Kiselev einmal mehr als symphonisches Progressive-Rock-Werk im klassischen Sinn. Synthesizer und Gitarren, die nie allzu hart riffen, halten sich die Waage, das Ganze wird in Ermanglung eines Sängers bewusst lyrisch melodisch inszeniert, und der Betriebsblindheit kann sich das Einmannunternehmen auch nicht erwehren.

Andererseits zeichnen sich ähnlich gelagerte Werke gerade durch diese introvertierte, weltfremde Art aus, und in dieser Hinsicht punktet SUNRISE AURANAUT zumindest teilweise auch … teilweise deshalb, weil der Alleingang in Sachen Klang Eingeständnisse macht, vor allem was das Schlagzeug beziehungsweise dessen Programmierung angeht. Ein echter Drummer hätte hier Wunder gewirkt, aber wie dem auch sei …

Die zahlreichen Passagen ohne vordergründig rhythmische Ausrichtung, die insbesondere die Longtracks "Amazing Universe", "Lost In Deep Space" und "Gravity" auszeichnen, nehmen für Kiselev ein. Der Rundum-Mucker legt ein Verständnis für verschiedene Musikkulturen an den Tag, das "The First Cosmic" einen Ethno-Touch ohne damit normalerweise einhergehende Klischees verleiht. Orientalische Tonfolgen stehen ebenso an der Tagesordnung wie Flüge ins Weltall, ohne dass man Drone-Willkür befürchten müsste.

Trotzdem: Beweist SUNRISE AURANAUT Mut zur Kurzatmigkeit wie mit Incarnation Calls" oder "Pristine Planet", zeigt sich das ganze Geschick von Vitaly als Songwriter. Der Mann kann eingängige wie ungewöhnliche Melodien schreiben und sie motivisch auf einnehmende Weise durcharbeiten, was im Endeffekt das größte Plus dieses nicht überragenden, aber mit für die Zukunft überdurchschnittlich hohem Potenzial ausgestatteten Albums ausmacht. Wie wäre es, eine vollwertige Band um dich zu scharen, Mr. Kontrollfreak?

FAZIT: "The First Cosmic" ist Space Prog vom Typischsten und umgeht die Fallstricke des programmatischen Soloprojektes nicht. Wer mit den kleinen Unzulänglichkeiten und einem Tick Leerlauf innerhalb von Bandwurmkompositionen leben kann, darf sich dieses Kleinod gefahrlos einverleiben.

Punkte: 9/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.06.2015

Tracklist

  1. Amazing Universe
  2. Incarnation Calls
  3. Lost In Deep Space
  4. The Cycle Of Desires
  5. We Will Meet At The Spaceport
  6. Pristine Planet
  7. Nonstop
  8. Gravity
  9. Atmosphere And Vacuum
  10. The Threshold
  11. The Wisdom Of Mother Earth

Besetzung

  • Bass

    Vitaly Kiselev

  • Gitarre

    Vitaly Kiselev

  • Keys

    Vitaly Kiselev

  • Schlagzeug

    Vitaly Kiselev

Sonstiges

  • Label

    Freia

  • Spieldauer

    60:39

  • Erscheinungsdatum

    05.06.2015

© Musikreviews.de