Das Horrorfilm-artige Intro trügt, denn auf "Journey To The Stars" geht es nicht verspukt zu, sondern durchweg traditionell. Die BLINDSIDE BLUES BAND - längst eine Institution - zeigt sich auf ihrem neuen Album abgeklärt im Guten wie Schlechten …
Im Schlechten? Genau, denn beim Hören der Songs kommt man nicht umhin, einstweilen den Ruch des Abgeschmackten zu wittern. Handwerklich ist das alles selbstredend top, bloß bleibt das Gefühl mitunter auf der Strecke, weil viele Momente wie aus dem Setzkasten gezogen anmuten.
Vom fast metallischen Opener ("I'm On Fire" schlägt bald darauf in eine ähnliche Kerbe) ausgehend über den lässigen Slider "Smokehouse Row" und das Hendrix-lastige "Freight Train" hinweg zum Slow Blues "79 Cent Blues" am Ende (fast acht Minuten lang) bieten die Jungs ein verhältnismäßig farbenfrohes Bild mit allen erwartbaren Stereotypen, die sie sich allerdings mit Recht auf die Fahnen schreiben unter dem Gesichtspunkt, dass sie schon recht lange am Start sind. Weiß man das nicht, zuckt man indes eher mit den Schultern.
Der Frontmann mimt den David Lee Roth und wertet so selbst unauffällige Standards wie "Shadow in My Dreams" auf. In ihrer Besetzung als Quintett können BLINDSIDE BLUES aufwändiger arrangieren als etwa klassische Trios, machen aber oftmals zu wenig aus diesen Möglichkeiten. Langfristig werden sie mit Alben wie diesen nur vor den Bekehrten predigen, aber wie gesagt - im Guten und zugleich Schlechten, je nach subjektiver Auffassung des Rezipienten.
FAZIT: Für BBS-Fans ist "Journey To The Stars" eine sichere Bank, wenn es um Classic Rock mit stark bluesigem Fundament geht; viele andere mögen durchaus zu Alternativen greifen, die noch hungriger klingen als diese relativen Veteranen.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 09.08.2016
Grooveyard / Just For Kicks
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22.07.2016