Die kanadischen Vorreiter der zweiten Welle des Retro Rock im weitesten Sinn verfolgen auf ihrem neuen Album einen leicht anderen Ansatz, aber wie zu erwarten ohne Treuebruch mit sich selbst oder ihrer Klientel.
Konzeptionell handelt “Lord Of Misrule” von allen möglichen Arten abseitiger, fataler Liebe, was sich in abgesehen vom Flöten-dominierten Opener ‘The Devil's Widow’ kompakteren Songs äußert, die jedoch nichts von BLOOD CEREMONYs gewohnter Farbenfreude einbüßen. So stehen poppige Tracks wie ‘Loreley’, ‘Half Moon Street’ oder ‘The Weird Of Finistere’ – eines der ruhigsten Stücke der Band überhaupt – neben dem düsteren ‘The Rogue’s Lot’ und dem umso flotteren ‘Flower Phantoms’, das stellvertretend für die “neue” Ausrichtung der Gruppe liegt. So einheitlich klang sie womöglich noch nie, denn Frontfrau Alia O'Brien überstrahlt das Geschehen nicht, im Gegenteil:
Speziell in puncto Gitarren und Sound ist die Scheibe ein echter Hinhörer und eingedenk ihres gedämpften Untertons gesamtheitlich zu begreifen. Demnach entfaltet sie sich nicht anhand offensichtlicher Hits, sondern nach und nach beim Hören von vorne bis hinten … wo mit dem Orgler ‘Old Fires’ eine feste Bank für zukünftige Konzerte der seit je bombigen Live-Band versteckt ist.
FAZIT: Mit “Lord Of Misrule” wird man lange Freude haben. BLOOD CEREMONY bewähren sich als progressive Classic-Rocker mit weiterhin reizvoller Frauenstimme von Format und weichen dem stagnierenden Trend ein Stück weit aus, indem sie sich in fast poppig psychedelische Gefilde vorwagen.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.04.2016
Lucas Gadke
Alia O'Brien
Sean Kennedy
Alia O'Brien
Michael Carrillo
Alia O'Brien (Flöte)
Rise Above
44:09
25.03.2016