Christiano Gitano hat das Gitarrenspiel fast mit der Muttermilch aufgesogen, da er sich seit seinem siebten Lebensjahr mit dem Instrument beschäftigt und mit der Zeit südeuropäischen bis -amerikanischen Tradition angedient hat. Auf diesem Debütalbum begeht er mit Eigenkompositionen eine Stilübung im Guten wie Schlechten.
Die Titel erklären sich nämlich nicht selten von selbst, etwa "Christianos Bolero" zum innig verschlungenen Tanzen, "Steffens Swing" und "Swing for Miri Dei" zum gepflegten Cocktailtrinken sowie "Flamenco Café" als leidenschaftliche Liebesbekundung. Das Ganze spielt sich immer hübsch sauber ab, sodass Gitano je nachdem auf piekfeine Weise an den seligen Paco de Lucia gemahnt oder beispielsweise auch einer anderen Legende - Django Reinhardt - den Hof macht ("Gipsy Dream").
Höhepunkte auf "Ab O Drom" sind das bauchig dunkle Titelstück, das mitreißende "Buleria la Christiano" und der beschauliche Abschluss "Du hal mo tschi". Die tolle Produktion bringt den Hörer sehr nahe ans Instrument, "Quietscher" beim Umgreifen und Musik atmende Pausen inklusive. Dass Christiano technisch hervorragend spielt, versteht sich von selbst.
FAZIT: Vielleicht macht die Souveränität des Künstlers, was sein Handwerk betrifft, just den Schwachpunkt dieses ersten Albums aus. Die Instrumentals eignen sich eher als Vorzeige-Lehrstücke für unterschiedliche südländische (Tanzmusik-)Stile als zur emotionalen Einfindung, eben weil sie brav formelhaft wirken. Gitarrengourmets kann dieser Kritikpunkt allerdings gleich sein.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.04.2016
Harald Becher
Christiano Gitano
Winfried Schuld
Adriano Gitano (Cajon)
http://www.christianogitano.de
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15.04.2016