Bei dieser "Very Best Of The Noise Years" handelt es sich lapidar gesagt auch um die Best Of RUNNING WILD insgesamt, denn was (bei "The Rivalry" noch mit Abstrichen) nach dem 1995er Meisterstück "Masquerade" von Rolf Kasparek und seinen Statisten kam, kann man getrost übergehen, so hart es auch klingt (nicht das Material, sondern dieses Urteil). Auf "Riding The Storm" tummeln sich zahllose Geschosse und wahrlich unsterbliche Metal-Klassiker, die in solcher Dichte (32 Stücke) nur auf den jeweiligen Studioalben selbst stehen.
Immerhin enthielten die meisten RUNNING-WILD-Alben bis Mitte der 1990er im Grunde keine schwachen Tracks und allenthalben ein paar immer noch gute Füller, weshalb die Auswahl schwergefallen sein dürfte und dementsprechend streitbar ist. Die Beiträge der Gruppe zum "Death Metal"-Sampler bleiben außen vor, weshalb ihr Einstand, die Underground-Splitterbombe "Gates To Purgatory", zuallererst bedacht wird.
Nach "Branded And Exiled" war das Piraten-Image der Gruppe spätestens mit "Under Jolly Roger" etabliert - einer wohl zu den zehn ikonischen German-Metal-Alben gehörenden Scheibe, die mit vier beliebigen Stücken vertreten ist, während man auch die anderen vier hätte nehmen können, auch wenn der Titeltrack unerlässlich erscheint. "Port Royal" machte die Band noch bekannter und stellte eine der deutschen Rhythmusgruppen schlechthin ins Schlaglicht: Jens Becker (b) und Stefan Schwarzmann (d). Vielleicht deshalb sind fünf Songs und das Intro auf dieser "Best Of" enthalten, ehe die Macher "Death Or Glory" mit vier Stücken zur Kenntnis nehmen.
Mit "Blazon Stone" und "Pile Of Skulls" waren RUNNING WILD dann mitten in ihrer mehrere Alben anhaltenden Geschichtsstunde, womit Rock 'n' Rolf zwar immer nur ander Oberfläche kratzte, aber hehre (selbstredend rebellische) Gründe hatte und schlichtweg gut unterhielt. Losgelöst davon waren die Songs bombig, und die Produktionen wurden auch immer stärker. Der Single Hit der Band darf natürlich nicht fehlen: "Little Big Horn".
"Black Hand Inn" - RUNNING WILD waren längst ein Soloprojekt mit leidlich sicher im Sattel sitzenden Komparsen geworden - ist für diesen Schreiber der Gipfelpunkt des Kasparek'schen Schaffens und der Beginn einer Zusammenarbeit mit dem lebenden Drumcomputer Jörg Michael, der neben dem ehemaligen RISK-Gitarristen Thilo Hermann aberwitziges leistete … auch auf dem erwähnten Schlusssatz unter diese Compilation, also "Masquerade", das wahrscheinlich härteste Album der Band überhaupt. Späteres braucht man wie gesagt nicht.
Noise bzw. Sanctuary brachten nach der Jahrtausendwende die in puncto Raritäten wesentlich wertvollere Zusammenstellung "20 Years In History" heraus, die Kenner besitzen sollten, wohingegen sich diese Doppel-CD im gestromten Design
FAZIT: … wie alle anderen aktuell herausgebrachten in erster Linie für Neueinsteiger aufdrängt. Es handelt sich um eine akustische Bestenliste, die ungeachtet der für Eingeweihte Geschmackssache bleibenden Songauswahl in jedem Fall Hand und Fuß hat, wenn man RUNNING WILD eben noch nicht kennt. Soll's ja geben, den Nachwuchs.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.05.2016
BMG / Noise / Rough Trade
153:34
13.05.2016