Über das Spätwerk von 70s-Punkbands lässt sich vortrefflich philosophieren. THE RUTS waren einst eine Punkband, die mit "Babylon's Burning" 1979 immerhin einen Song auf Platz Sieben der englischen Hitparade platzieren konnte. Aber statt dem großen Durchbruch und internationalen Touren durchkreuzte eine tödliche Heroinüberdosis von Sänger Malcom Owen die weiteren Pläne. Man benannte sich in RUTS DC (für Da Capo) um und begann von vorne. Der hardrockende Punkrock wich immer mehr einem durchaus spannendem Dub-Reggae-Sound, der allerdings nur noch verhalten aufgenommen wurde. 1983 lösten sich RUTS DC auf, nur um sich aus tragischem Anlass 2007 wiederzuvereinen, da der ehemalige Gitarrist Paul Fox an Lungenkrebs erkrankt war und Geld für die Behandlung benötigt wurde. Niemand geringeres als Henry Rollins gab den Malcom Owen, Fox starb leider kurz darauf, aber RUTS DC machten mit Neuzugang Leigh Heggarty an der Gitarre weiter.
Wer nun denkt, die Band macht auch musikalisch da weiter, wo sie 2013 mit der Dub-Scheibe „Rhythm Collision Vol. 2“ aufgehört hat, der wird enttäuscht sein. Anno 2016 spielen RUTS DC zwar offiziell „Dub Rock“, aber vergiss es einfach, RUTS DC spielen Rock, mal hart, mal alternativ, aber immer eingängig und manchmal für den Verfasser dieser Zeilen schon etwas zu cheesy.
Mit „Psychic Attack“ beginnt das Album noch recht nahe am Punkrock der Anfangstage und auch der Titeltrack trägt im Unterton Dub-Vibes ohne ein Dub-Song zu sein. Was auffällt, ist das vortreffliche Gespür für Refrains, die sofort im Ohr bleiben und beim Titeltrack das Potential, ein Dauerbrenner zu werden. Große Klasse. Danach ein Song, der nach frühen DEF LEPPARD mit angezogener Handbremse klingt, „Second Hand Child“ ist die erste, aber okaye Halbballade, danach regiert etwas die Beliebigkeit und König Pop übernimmt das Zepter. „Kill The Pain“ trägt wieder punkrockige Züge, während „The Vox Teardrop“ nochmal harten Rock zelebriert. „Golden Boy“ dürfte eine Hommage an Malcolm Owens sein, eine herzzerreißende fesselnde Ballade mit vollem Programm, also inklusive Streicher und ein schöner Ausklang eines Albums, das eine Hälfte gute Songs enthält, aber nicht durchgehend mitreißen kann.
FAZIT: RUTS DC lieben Stiländerungen. 2016 mischt man Rock mir vielen Facetten und hat mit „Music Must Destroy“ ein über weite Strecken ansprechendes Album abgeliefert. Ob das der Punkrocker von 1979 auch so sieht? Da sind Zweifel angebracht.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.09.2016
Segs Jennings
Segs Jennings
Leigh Heggarty
David Ruffy
Westworld
41:35
16.09.2016