Fieser Titel angesichts der Tatsache, dass SKYCLAD Zeit ihres Bestehens von Labels gebeutelt wurden, weshalb sich ihr Bassist angeblich eine Weile bevorzugt von Hundefutter ernäherte. Der Noise-Katalog wurde bereits auf der durchaus liebevollen Compilation "Old Rope", die das Unternehmen nach dem Weggang der Gruppe mit einer guten Songauswahl und allen (wichtigen!) Texten herausbrauchte, in angemessener Weise rekapituliert, weshalb diese neuerliche Zusammenstellung - gleichwohl mit über 30 und damit im Vergleich zu damals mehr Tracks - ein wenig redundant anmutet.
Ungeachtet dessen: Als Ex-SABBAT-Sänger Martin Walkyer 1990 die Köpfe mit den SATAN-/PARIAH-Recken Steve Ramsey und Graeme Englisch zusammensteckte, war das zugleich eine Elefantenhochzeit chronischer Pechvögel und der Karrierebeginn einer beispiellosen Band zwischen Metal, Folk und – wird gerne übersehen – typisch britischem Indie/Wave der 1980er. Aus der anfänglich noch sehr thrashigen und wegen ihres Frontmanns entschieden ketzerischen Truppe wurde mit der Zeit bei quantitativ wie qualitativ beachtlichem Ausstoß eine ganz für sich selbst stehende Institution, die bis heute höchstens in Kreisen von Kritikern etwas gilt, auch wenn man ihr nachsagt, den aktuellen Pagan-Metal-Quatsch initiiert zu haben.
Ob oder nicht: Ausgezahlt hat es sich nie, und SKYCLADs oft bitterbös gesellschaftspolitische Lyrics haben null mit dem Einerlei des Genres zu tun, in dem die anscheinend immer noch existente Band verortet wird. Aufbereitet wurden hiermit einige Gassenhauer, ausgehend vom garstigen Debütalbum "The Wayward Sons Of Mother Earth" über den ersten "Hit" "Spinning Jenny" zu ein paar mehr oder weniger maßgeblichen (im Grunde sind alle Lieder Zzwingend) Auszügen von "Jonah's Ark" (1993) und "Prince Of The Poverty Line" (1994) bis zum erstmals dezidiert ätherische Töne anschlagenden "The Silent Whales Of Lunar Sea", das wiederum nur ein Jahr nach seinem Vorgänger erschien. Der Ausstoß der Briten war gewaltig und qualitativ sagenhaft gut - bis zum Ende der Noise-Phase und darüber hinaus.
Die ersten Massacre-Alben markierten mithin den Zenit der Band, bleiben jedoch hier außen vor (das Label hat wiederum selbst 2002 eine eher lieblose Compilation aus seiner Zeit mit SKYCLAD herausgebracht, nämlich "History Lessens"), genauso wie der starke Nuclear-Blast-Irrläufer "Pokémon", wonach die Jungs und ihr fidelndes Mädel in der Eigenbrödlerei bzw. bei Demolition Records versumpften. Wer die Jahre beim Berliner Label Revue passieren lassen möchte, ist hiermit gut bedient.
FAZIT: "A Bellyful Of Emptyness" bietet 33 Songs von den ersten fünf SKYCLAD-Alben, die für sich genommen in jede Sammlung gehören. Es ist an der Zeit, selbige wieder verfügbar zu machen, und diese Doppel-CD darf als Vorgeschmack dienen, so man es als Neuling in Sachen Wort- und Tongewalt made in Britain nicht erwarten kann. Wie gesagt, "Old Rope" kann man mit etwas Glück vielleicht auch noch abgreifen, was allein schon des hübschen Covers wegen empfehlenswert ist.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.05.2016
BMG / Noise / Rough Trade
146:35
13.05.2016