Im sechsten Jahr ihres Bestehens rotzen SLAUGHTERDAY ihre vierte Veröffentlichung bei ihrem Stammlabel von Beginn ihrer Karriere an heraus. Mittlerweile zeugt das Material der Band sogar ansatzweise von Feingefühl, und Songwriting-Intelligenz hat sich im Laufe der Zeit auch entwickelt, gleichwohl die große Kelle das Metier der Norddeutschen bleibt. Dabei fängt alles ganz besinnlich an, nämlich mit einem Akustikgitarrenintro …
Dann jedoch bricht der altertümliche Höllensturm los, den SLAUGHTERDAY 2016 so melodisch gestalten wie nie zuvor. Die morbiden Tonfolgen von ENTOMBED oder EDGE OF SANITY (hier bedient sich Trommler Bernd auch gesanglich, wenn er nicht gerade seinem offensichtlichen Idol Chris Reifert nacheifert), klingen immer wieder an, und der Gesamtsound passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. "Laws Of The Occult" drückt wie ekliger Moder auf die Lunge, wobei sich alle Sporen respektive Instrumente gesondert ausmachen lassen, und diese klangliche Raffinesse pflanzt sich wie angedeutet auch in den kompositorischen Bereich fort.
Ohne immer Vollgas zu geben, aber auch außerhalb des Doom-Spektrum agierend erwecken SLAUGHTERDAY das Flair der frühen Erzeugnisse der Peaceville Three und von PARADISE LOST im Besonderen. Die Atmosphäre bleibt konstant unheilvoll, auch wenn der trommelnde Frontmann, der somit keiner ist, nach zwei, drei Stücken den Eindruck vermittelt, der im gegebenen Rahmen maximalen Abwechslung auf instrumentaler Seite stimmlich nicht gewachsen zu sein.
Sein einseitiger Vortrag sorgt dann auch für Abzüge in der B-Note bzw. zieht die Scheibe in der Wertung dieses Rezensenten abgesehen von der Tatsache dass sie nach hinten raus (wie so viele andere) an zwingendem Stoff einbüßt, ein deutliches Stück nach unten. Der alten Schule kann das aber schnuppe sein.
FAZIT: SLAUGHTERDAY spielen ihren Schuh runter, haben aber eine klare Entwicklung vollzogen, ohne sich vom archaischen Death Metal abzuwenden, der von ASPHYX-Kaputtheit bis hin zu virtuosen Überflieger-Solos (Death ab "Leprosy") eher amerikanischer Prägung ein breites Spektrum abdeckt. Lediglich der Gesang wird mit der Zeit öde, und die Wirkung verpufft ab ungefähr zwei Dritteln der Spielzeit. Live möchte man die Band allerdings trotzdem gern sehen - denn tight gezockte Todeskunst geht immer.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.04.2016
Jens Finger
Bernd Reiners
Jens Finger
Bernd Reiners
FDA / Soulfood
43:15
29.04.2016