Auf ALFRED MUELLER ist Verlass!
Fast immer pünktlich zum Jahresanfang veröffentlicht er seit nunmehr 16 Jahren (s)ein Album mit elektronischer Musik unter dem Projekt-Namen SONIQ THEATER, welches er zugleich zum kostenlosen Download auf seiner Homepage anbietet.
So weit, so gut - doch natürlich ist es schwierig, von Jahr zu Jahr ein einfallsreiches Elektronik-Album nach dem anderen rauszuhauen, weswegen sich manchmal schon so einige kreative Engpässe einschlichen.
Auch „Globaliced“ wird wohl nicht jeden in Begeisterungsstürme versetzen, selbst wenn wir uns hier auf eine musikalische Weltreise begeben, in der sich die unterschiedlichsten globalen Stimmungen begegnen, sich offensichtlich sogar Gitarren zu den Keyboards gesellen und das Album auch ordentlich an Tempo aufnimmt. Leider nerven hierbei manchmal die sehr blechern klingenden, oftmals viel zu eintönigen Schlag-Rhythmen, wie z.B. bei „Ice In The Tropics“, gehörig, die auch viel zu stark in den Vordergrund gemischt wurden. Demgegenüber stehen dann beispielsweise im „Lake Vernon“ auch wundervolle „Harfen“-Harmonien, welche Erinnerungen an ANDREAS VOLLENWEIDER wecken. Zu keiner Sekunde vermisst man dabei das blecherne „Gedrumme“, das uns leider bereits in „Global Village“ wiederbegegnet. Auch das fast permanente Ausblenden der einzelnen Titel stört den Gesamteindruck auf „Globaliced“ und schafft so künstliche Brüche, die durch geschickte Überblenden durchaus vermieden werden könnten.
Wirklich viel Neues im SONIQ THEATER gibt es jedenfalls nicht zu entdecken. „Globaliced“ klingt nach neu Aufgewärmten aus den vorangegangenen 15 Alben. Nur dass diesbezüglich nicht unbedingt die eindrucksvollen, sondern mehr die belanglosen Stücke beim Hörer in Erinnerung gebracht werden, selbst wenn sich auch ein paar schöne Musik-Kleinode auf dem insgesamt gerade mal elektronisches Mittelmaß erreichenden Album entdecken lassen. „Provence“ ist eines davon. Mit TOMITA-Verspieltheit, lustigen Rhythmen, akustischen Piano-Passagen und Stimmungswechseln läutet es dann den spannenden Synthi-Track „Glacier“ ein, der wie eine Mischung aus TANGERINE DREAM und KLAUS SCHULZE klingt, aber leider wieder ausgeblendet wird. „Western Skylines“ und „Peruvian Skies“ sind dann wieder mittelmäßiger Keyboard-Pop-Rock von der Stange, der sich, statt beim Hören hängen zu bleiben, in langweiligen Wiederholungen und natürlich der letzten Blende erschöpft.
FAZIT: Musikalisch wie produktionstechnisch ist „Globaliced“ keine Meisterleistung geworden. ALFRED MUELLER klingt mit seinem neusten Album nicht „globalisiert“, sondern eher synthetisch auf der Stelle tretend. Er scheint sich in seinem eigenen Anspruch, im Ein-Jahres-Plan je ein Album mit elektronischer Musik unter dem Namen SONIQ THEATER veröffentlichen zu müssen, verfangen zu haben und sollte sich unbedingt mehr Zeit fürs nächste Album nehmen, damit auch der Kritiker statt über Masse wieder mehr über Klasse berichten darf.
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.02.2016
Alfred Mueller
Alfred Mueller
Alfred Mueller
Eigenvertrieb
54:25
08.01.2016