Kluger Punk mit ästhetischem Empfinden aus Deutschland - ja das gibt es tatsächlich auch 2016 noch zwischen den Extremen Pop Punk und Ekel-Deutschrock. MYFLINT stehen mit ihren englischsprachigen Stücken irgendwo in einem Dreieck zwischen BAD RELIGION, dem metallischen Zug von PROPAGANDHI und US-College-Rock, letzteres allerdings ohne Hornbrille, Seitenscheitel und Gejammer.
Nein, "The Secret Love Life Of The Octopus" zeichnet sich durch einen ausgesprochen hohen Rock-Faktor aus, wobei die Stimme bzw. die hörenswerten Texte im Vordergrund stehen. MYFLINT erfinden das Rad dabei nicht neu (fünf Euro ins Rezensions-Phrasenschwein), überzeugen aber durch ihre anhaltende Frische, hörbare Hingabe und vor allem packendes Songwriting.
Dafür exemplarisch stehen die Hymne "Obvious" und vor allem das rasant kraftvolle "Last Chance To Be The First mit - tatsächlich - Pat Prziwara von FIDDLER'S GREEN als Gastsänger. Folk findet bei MYFLINT im Übrigen nicht ansatzweise statt, falls das jetzt jemand meint. Davon abgesehen gehen aber beide Daumen hoch für die Franken, die sich hiermit für die hohe Riege des heimischen Punk empfehlen.
FAZIT: Liebevoll aufgezogener Punk Rock der zeitgenössichen Sorte von vorne (Artwork) bis hinten (Kompositionen, Inhalte). MYFLINT hören und den deutschen Stil wieder lieben lernen.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.10.2016
Stephan Flint, Marco Flint, Jens Flint, Hannes Flint
Spinnup
31:11
16.09.2016