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Bool: Fly With Me

Stil: Alternative

Cover: Bool: Fly With Me

"Grunge Addicted Rock Music", so nennen BOOL ihren Stil, womit sie auf den Punkt bringen, was stilistisch auf ihrem dritten Langspieler Sache ist. Eingeweihte wissen das bereits von den Vorgängern, doch "Fly With Me" besitzt nicht zwangsläufig das Potenzial, den Hörerkreis des Quartetts zu erweitern.

Was am rein musikalisch hundsgewöhnlichen Alternative Rock der Duisburger bereits auf ihren ersten beiden Alben hervorstach, war die Stimme ihres Sängers, und zwar im Guten wie im Schlechten. Karsten "Didi" Dittberner schmachtet und jammert auch auf „Fly With Me“ übermotiviert vor sich hin (besonders schlimm: ‚Love Is The Answer‘), was die Band eingedenk ihres Stils Staind zu schlimmsten Zeiten naherücken lässt. Die riesigen Radiohits der Amerikaner schreiben die Deutschen nicht, doch an ihren Stücken kann man andererseits weder kompositorisch noch spielerisch irgendetwas aussetzen.

Allein, was BOOL fehlt, ist ein eigenes Profil und ein Verständnis dafür, was gerade noch als nicht bieder durchgeht. Ein einziger Coup ist der Gruppe aber gelungen, denn sie hat den Major-Knopfdreher Jon Caffery heranziehen können, um der Scheibe einen angemessenen Sound angedeihen zu lassen. Laut-leiselndes Zeug wie ‚Shut Up‘ und ‚Desire‘ oder andersherum fetzige Stücke wie ‚Revolution‘ erstrahlen so in idealem Klanglicht, auch wenn die Musiker keine Kür schaffen, sondern lediglich ein souveränes Genre-Pflichtprogramm durchziehen.

Wer sich abgesehen von der Combo selbst dafür begeistern soll, erschließt sich nicht, und da sie es mit dem Pathos übertreibt, stellt sich die Frage, was aufrichtig gemeint und was bloße Mache ist.

FAZIT: So aussagelos wie der Bandname wirkt auch die Musik von BOOL. Die Nordrhein-Westfalen verbreiten mit ihrem Allerwelts- und Befindlichkeits-"Gransch" leisen Stallgeruch, der überregionale Akzeptanz ausschließt - ganz davon abgesehen, dass das Thema nach all den pathetischen Neo-Bands aus dieser Sparte (Creed, Staind, Nickelback - sie alle sind stilistisch weitergezogen, for better or worse, wie der Brite sagt) sowieso längst "durch" ist. Jammerlappen aus der Deutschen Provinz braucht man da bei aller Souveränität, mit denen das Quartett spielt, absolut nicht mehr.

Punkte: 7/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.09.2017

Tracklist

  1. Here We Are
  2. Soul Train
  3. Shut Up
  4. Kick Arse
  5. My Own Heaven
  6. Revolution
  7. Hey You
  8. You And Me
  9. Desire
  10. Same Mistake
  11. Yesterday
  12. Love Is The Answer
  13. Right Or Wrong

Besetzung

Sonstiges

  • Label

    Boersma / Soulfood

  • Spieldauer

    51:46

  • Erscheinungsdatum

    01.09.2017

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