Auf Brett Ellis neuem Album „The Warriors Before Me“ ist der Titel Programm. Im Powertrio, plus vokale Ergänzung, huldigt Ellis seinen favorisierten Gitarrenkriegern, deren Wirken er aufgreift und mit seinem eigenen Spiel weit über siebzig Minuten lang zelebriert.
Jimi Hendrix, Robin Trower, Angus Young, Billy Gibbons, Jimmy Page, Frank Marino sind dabei, Ritchie Blackmore, Michael Schenker, Uli Jon Roth und etliche mehr; nahezu alles, was im klassischen Hardrock Rang und Namen hat. Lediglich Axel Rudi Pell ist bloß im Geiste dabei.
Keine Platte für Freunde filigraner Klänge. Ellis liebt seine Gitarre hörbar und lässt ihr freien Lauf. Das rhythmische Duo Rick Nash und Calvin Lakin sorgt für fette Beats und bekommt ein paar (kurze) Soli spendiert („Supernaut“, dem BLACK SABBATH-Song verleiht die starke Allison Smith passend aggressive Vocals). Über allem thront Brett Ellis Gitarre. Schneidend, scharf, mal mit Wah-Wah-Effekt, mal ohne, nur selten im Schmusemodus (eine durchgängige Ballade kommt überhaupt nicht vor) berserkt er sich durch die gewählten Songs, dass es eine Wonne ist.
Wenn man auf so etwas steht. Was bei eurem geneigten Rezensenten nicht der Fall ist. Der zieht kurze, knackige Einsätze vor, von denen es glücklicherweise auch einige gibt. Außerdem sorgt der gelungene Gesang für befreiende Momente, in denen die Kampfgitarre bloß hintergründig agiert.
Am besten gefallen jene Passagen, in denen LED ZEPPELIN („We’re Gonna Grove (Zep Jam)“) und AC/DC („Whole Lotta Rosie“) als Ideengeber herhalten. Bei erstem jammt Ellis frenetisch drauflos und bei zweitem setzt es fokussierten, knalligen Rock.
FAZIT: Es ist natürlich eine Binsenweisheit, dass die positive Bewertung eines Albums mit den Vorlieben seiner Hörer einhergeht. Im vorliegenden Fall ist es nahezu unabdingbar, viel Spaß am Klang einer E-Gitarre zu haben, die sich durch die Vergangenheit gniedelt. Brett Ellis spielt handwerklich sauber und mit ordentlich Power, vermeidet aber Experimente und Extreme. Das ist klassischer Hardrock im Blütenspiegel einer (selbst)verliebten Rückschau. Kann man sich mal geben, aber wirklich brauchen tut man‘s nicht. Wer allerdings sein Herz an gitarrenbetonten Powerrock verloren hat, kann zur Wertung locker drei Punkte draufschlagen.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.01.2017
Rick Nash
Brett Ellis, Allison Smith, Jason Edwards, Rick Reed, Graham Heath
Brett Ellis
Calvin Lakin
Grooveyard Records/Just For Kicks Music
77:39
02.12.2016