Fangen wir mit dem FAZIT an: BY’CE spielen auf „Reset To Zero“ leicht schwermütigen, melodischen Progressive Rock mit leichtem Hang zum Metallischen. Wirklich brutal wird es nie, es gibt ein paar schwungvolle Gitarren-Attacken, partiell klingt‘s wie eine Widmung an AC/DC (das kraftmeierische „Self Control“). Witziger Song. Ansonsten erinnert die Musik der Franzosen interessanterweise an deutsche Bands wie SYLVAN, RPWL, [SOON] oder BLIND EGO. Wobei Sänger By'ce etwas von allen vier Leadsängern besitzt, aber an keinen ganz heranreicht.
Nichts ist besonders oder gar ausgefallen an „Reset To Zero“, das als EP ausgewiesene Debüt der französischen Combo, welches mit fast achtunddreißig Minuten knapp als Longplayer durchgeht. Doch sind die leicht hymnischen Melodien stilbewusst und mit offensichtlicher Liebe arrangiert, sodass das Album gefällt, obwohl man manchmal nicht genau weiß, warum.
Die Mixtur zwischen sachtem und wuchtigem Gitarrenspiel ist ausgewogen, die Keyboards liefern eine wohlige Grundlage, die Rhythmusabteilung hält mit, ohne unangenehm aufzufallen. Manchmal schwingt ein Hauch PINK FLOYD mit und ein bisschen Western-Romantik (“You must Hang on“). So unschuldig gekünstelt und spaßig wie früher, als man Cowboy und Indianer gespielt hat. Mit Knallplättchen und bis dreißig zählen, wenn man erschossen wurde.
Die melancholischen, beschaulichen Stücke sind eindrücklicher als die schlichten, schnellen Passagen. Ergibt jedenfalls eine gediegene Mischung: Kein Ding für den großen Kinosaal, aber für einen gemütlichen Heimabend durchaus geeignet.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.03.2017
S. Sheehy
By'ce
By'ce
D. Codfert, V. Parchomenko
By'ce (samples)
Eigenproduktion/Dooweet
37:59
03.10.2016