Düsseldorfer Punk … DIE TOTEN HOSEN und BROILERS irgendjemand? Auf manchen Track, den "Augen auf" enthält, wären Campino und Co. vor ungefähr 20 Jahren womöglich stolz gewesen, doch unabhängig davon ist das dritte Studioalbum der ROGERS eine ziemlich biedere Angelegenheit geworden, vor allem für Hörer, die mit der Geschichte des deutschen (Fun-)Punk hinlänglich vertraut sind.
Das Quintett gefällt wie zu erwarten in seinen flotten, hochmelodischen Momenten am besten, kann den Kings DIE ÄRZTE aber dennoch nie und nimmer das Wasser reichen. Das liegt vor allem an seiner stilistischen Eingeschränktkeit, aber auch an seinen recht schnöden Inhalten; so ist man halt gegen rechts, gegen religiöse Dogmen und überhaupt alle einschlägigen Feindbilder einer Szene, von der man sich fragt, ob sie überhaupt noch von solchen Idealen motiviert besteht.
Über das abgedroschene Textgut hinaus unterhält "Augen auf" zumindest kurzfristig mit geradlinigen und kraftvollen Songs. ROGERS verheben sich eben nicht an Musik, die sie womöglich nicht beherrschen und auch nicht beherrschen möchten, weil sie im Guten wie Schlechten ewiggestrick sind. Mögen sie auch löblicherweise für Sea Shepard werben, sitzen sie in Gedanken immer noch in der Realschule und feiern sich selbst als Cover-Kapelle Die Roberts. In dieser Funktion haben sie für die Bonus-CD von "Augen auf" eine Handvoll teils fürchterlicher No-gos nachgespielt (siehe Trackliste), deren relative Daseinsberechtigung die beteiligten Gäste sind, allen voran Wölfi von DIE KASSIERER.
FAZIT: Wie gesagt, schnell und melodisch können ROGERS es am besten, doch das verhehlt nicht, dass sich auf "Augen auf" ein paar fiese Füller eingeschlichen haben. Blickt man darüber hinweg, handelt es sich dabei um eine nette Spaß-Punk-Platte für zwischendurch. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/8607283a92184be694cb232676705288" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 15.11.2017
People Like You
45:32 + 22:45
03.11.2017