Der Nachfolger von "Be True To Yourself" (2015) zeigt RUDE PRIDE in jeder Hinsicht gereift. Das Quintett bringt einen gehörigen Schuss südländischer Verve in die weitgehend vom Bierschiss und musikalischem Unvermögen geplagte Straßenköter-Szene, was wohl auch daran liegt, dass die Mitglieder nicht nur in diesem Zusammenhang naheliegende Einflussgeber haben.
Über typischen Street Rock wie das eröffnende 'Take It as It Comes' hinaus bieten RUDE PRIDE so viel mehr - etwa das unverhofft harmonische 'Broken Silence', 'My Generation' im "stop and go"-Verfahren oder den passend betitelten Speed-Boogie 'Too Fast (Back With a Crash)'. Hervor tun sich ein hübsch schrammelnder Bass ('Bars and Shackles') und umso mehr noch Frontmann bzw. Keyboarder (!) Miguel, der sich phasenweise ungeheuer wortreich ausdrückt, ohne sich zu verheddern.
Analog dazu sind die Instrumentalisten in jeder Situation Herren der Lage und überstürzen nichts, scheuen sich aber auch keineswegs vor richtig virtuosem Zeug wie 'Once Again', womit sie beispielsweise das obligatorisch kumpelhafte 'Our Pack' relativieren. Auch das rasante 'Keep On Walking' zeugt von spielerischer Raffinesse, obgleich die letzten Stücke eindeutig schwächer als jene in den vorderen zwei Dritteln der Platte sind.
FAZIT: "Take It As It Comes" ist ein Highlight, was Street Punk betrifft, ein eigentlich gegen jegliche Innovationen resistentes Subgenre. RUDE PRIDE verfügen über einen tollen Sänger, der immer mit leiser Wehmut geknödelt (ein bisschen wie ein junger Lee Ving von FEAR), und sind trotz einschlägiger visueller Ästhetik sehr originell … herzlich ja sowieso, wie spätestens jetzt durchgekommen sein dürfte. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/43566a202ec84074b21b6fce5ce1adf3" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.11.2017
Contra
41:05
03.11.2017