Auf RUNNING WILDs zweitem Dreher deutete sich die piratische Bildersprache, für welche die Gruppe bis in alle Ewigkeit bekannt werden sollte, allenthalben zaghaft an; der Teufel regiert weiterhin (sowohl wortwörtlich als auch in Gestalt der "bösen" Mächtigen auf der Welt) doch davon abgesehen ist "Branded And Exiled" ein typischer Nachfolger zu einem Debüt, das die gewohnten Schönheitsfehler verzeichnete.
Die mit "Gates To Purgatory" vorgegebenen Grundkoordinaten wurden mehr oder weniger sklavisch beibehalten, weshalb man berechtigterweise von Konsolidierung sprechen darf. In der Tat wirkt alles an dieser Platte runder bzw. ausgewogener, die Band selbst souveräner und auf ein konkretes Ziel eingepeilt. RUNNING WILD setzten im Laufe der Jahre nicht umsonst eine Viertelmillion dieses LP ab und klammerten sich an manchen Song, wenn es darum ging, ein Live-Programm zusammenzustellen.
Nach langer Demo-Vorlaufzeit, wie sie im Zeitalter vor der allseitigen Digitalisierung noch Usus war, fiel es RUNNING WILD nicht schwer, acht Stücke für ihr erstes Album zu kompilieren, doch anders als manche Kollegen strauchelten sie nicht, als es ans Sichten von Material für Scheibe Nummer zwei ging, für deren Veröffentlichung immerhin sehr wenig Zeit blieb.
'Branded and Exiled' selbst und der Fantasy-Ausreißer 'Mordor', aber auch der gelungene PRIEST-Kniefall 'Chains and Leather' und selbst das gern übersehen 'Evil Spirit' muten für sich genommen so aufgeräumt an, dass man, so sie im Verbund betrachtet werden, rein gar nichts daran ändern möchte.
Gerade vor diesem Hintergrund auch hier interessant: die Neubearbeitung von Album-Tracks von 1991 sowie eine Aktualisierung des Titelstücks aus dem Jahr 2003, als nicht mehr von einer auch nur halbwegs herkömmlichen Band - Rolf war und ist ja seit je Alleinherrscher - die Rede sein konnte.
FAZIT: "Branded And Exiled" enthält mehr als nur annehmbaren Nachschub zu "Gates To Purgatory". Alles, was im Vorjahr der Herausgabe noch ein wenig unausgegoren wirkte, scheint hier wenn nicht perfektioniert, so doch dergestalt weiterentwickelt worden zu sein, dass keine Steigerung in Aussicht stand. Ergo tat man (ob bewusst oder nicht) bei den Vorbereitungen des Hattricks gut daran, sich endgültig auf einen für unbestimmte Zeit geltenden Tenor festzulegen - sowohl stilistisch als auch Image-mäßig … <img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/e391b72c706c434294e4ee1251323d8d" width="1" height="1" alt="">
Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.08.2017
Noise / BMG
57:13
11.08.2017