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Skyclad: Jonah's Ark

Stil: Thrash / Folk Metal

Cover: Skyclad: Jonah's Ark

SKYCLAD war hinsichtlich Martin Walkyiers Selbstverständnis ein passender Bandname, denn in gleicher Weise, wie er aus seinem Herzen keine Mördergrube machte, sondern es auf der Zunge trug, bedeutete der Begriff aus der heidnischen Vergangenheit Mittel- und Nordeuropas Nacktheit im Sinne des Gleichseins aller an rituellen Handlungen Teilhabender. Der Sänger hatte nichts zu verbergen oder - falls doch - übertrug allzu persönliches in einen gesellschaftsübergreifen Zusammenhang. Das fiel ihm augenscheinlich umso leichter, als die Instrumentalisten hinter ihm begannen, sich gegen Erwartungen Außenstehender zu verwehren.

Dafür, dass die Band zu Beginn ihrer Laufbahn im Jahrestakt veröffentlichte, warf sie beim dritten mehr noch als beim vierten Mal (siehe die Besprechung von "Prince Of The Poverty Line") mit kompakten Gassenhauern nur so um sich: ‘Thinking Allowed?’ war der sofort eingängige Aufhänger für eine Menge knackiger Klopfer mit quirligem Instrumentalfundament und wortgewaltigen Texten, die Martin erstmals in der Geschichte der Band so nahbar formulierte, dass sie jeder mitsingen konnte. Seine Sprachakrobatik warft neben genialen Wortspielen sicherlich hin und wieder auch gewollt Klingendes ab (‘The Ilk Of Human Blindness’), doch der Massentauglichkeit der Scheibe tat das nicht weh. Einziger Wermutstropfen: Der musikalische Tiefgang kommt ein wenig zu kurz, und man übersieht leicht Reißer aus der zweiten Reihe wie das kurze ‘Bewilderbeast’.

BMG reichen in der Neuauflage (Remix- und -Mastering sind ja obligatorisch) die 1992er “Tracks From The Wilderness”-EP (mit einem schmissigen Cover von Thin Lizzys ‘Emerald’) als Dreingabe auf einer separaten CD dar. Angesichts des kreativen Laufs, den SKYCLAD in ihren frühen Jahren hatten, ist müßig zu erwähnen, dass die beiden Eigenkompositionen 'A Room Next Door'
und When All Else Fails' dem Material auf dem Longplayer in nichts nachstehen. Die drei Livetracks geben einen vagen Eindruck davon, wie hoch es bei Shows der Band während ihrer Sturm-und-Drang-Zeit herging.

FAZIT: Mit ihrem dritten Album schwammen sich SKYCLAD endgültig von allen Konventionen frei und schienen nur noch sich selbst gegenüber Rechenschaft ablegen zu wollen. Vielleicht war das von Anfang an ein Fehler gewesen, denn statt sich in ihrer Kreativität zu verrennen und mit beispielloser Geschwindigkeit Musik herauszuhauen - extrem hochwertige wohlgemerkt -, hätten die Köpfe Ramsey, English und Walkyer ihren Geschäftspartnern auf die Finger hauen sollen. Vielleicht wäre dann später kein Stück wie 'The Wrong Song' entstanden. Das allerdings ist eine andere Geschichte …

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.10.2017

Tracklist

  1. Thinking Allowed
  2. Cry of the Land
  3. Schadenfreude
  4. A Near Life Experience
  5. The Wickedest Man In the World
  6. Earth Mother, the Sun and the Furious Host
  7. The Ilk of Human Blindness
  8. Tunnel Visionaries
  9. A Word to the Wise
  10. Bewilderbeast
  11. It Wasn't Meant to End This Way
  12. Emerald
  13. A Room Next Door
  14. When All Else Fails
  15. The Declaration of Indifference (Live)
  16. Spinning Jenny (Live)
  17. Skyclad (Live)

Besetzung

Sonstiges

  • Label

    BMG / Noise

  • Spieldauer

    65:59

  • Erscheinungsdatum

    27.10.2017

© Musikreviews.de