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Reviews

Skyclad: Prince Of The Poverty Line

Stil: Thrash / Folk Metal

Cover: Skyclad: Prince Of The Poverty Line

Möglicherweise handelt es sich bei diesem Album, das wie von den Noise-Katalogsverwaltern gewohnt parallel auf (farbigem) Vinyl und als Digipak-CD erscheint, um den ultimaten Entwurf dessen, was bis heute - bloß meistens leider in zu kurz gedachter, oberflächlicher Form - aus der Schublade "Folk Metal" gesprungen kommt. Warum das so ist? Nun auf "Prince Of The Poverty Line" heben SKYCLAD ihrem bis dato vorwiegend beißwütigen Metal mehr Pop-Pep (gleichwohl nur auf den zweiten Hör) unter und verzieren ihre melodische Folk-Lasur mit tänzerischen Perlen. Fettarm ist dieser Kuchen nur in Hinblick darauf, dass Ballast (halbgare Ideen) außer Acht gelassen wurde. Die kleine Scharte, derer man sich auf dem stellenweise zu simpel gestrickten Vorgänger schuldig machte, wurde hier ausgewetzt.

Die wenigsten unmittelbaren Hits aller SKYCLAD-Alben verzeichnet ihr viertes vielleicht deshalb, weil sich alle Songs einem losen Konzept über gesellschaftliche Verelendung und Verrohung unterwerfen. Industrienationen mit ihren Erstweltprobleme stehen am Pranger, die unbeachtete Verelendung unserer Mitmenschen im Zentrum von Metropolen im Brennpunkt, aber dieser Brisanz zum Trotz (oder deswegen?) hat sich angeblich keine Platte der Band so gut verkauft wie “Prince Of The Poverty Line”, und falls dem so ist, berechtigt das Wachstum der Stücke im Ohr ihrer Hörer diesen Erfolg.

Es sind die letzten, die ohne Teufelsgeigerin George entstehen, und deren Vorgängerin Cath Howell hält sich vor dem immer noch überwiegend ruppig vorgehenden Rest der Band zurück, zumal sie eher als Keyboarderin agiert. Das macht Stücke wie ‘Cardboard City’ ein Stück weit pompös, ohne der Musik ihre metallische Rohheit zu nehmen, gleichzeitig da die Macher verhalten am Genre-Rand experimentieren, sei es mit Sprechgesang und Percussion im finsteren ‘Land Of The Rising Sun’ oder mit einer weiteren Ballade (‘One Piece Puzzle).

‘A Dog In The Manger’ und ‘Sins Of Emission’ nahmen hingegen das quirlige Moment vorweg, das die Gruppe in Zukunft verstärkt ausmachen sollte. "Prince …" erwies sich als Album mit Langzeitwirkung, das in dieser neuen Version klanglich kaum merklich "aktualisiert" und um drei Bonustracks (u.a. das starke Japan-Zubrot 'Brothers Beneath The Skin'),erweitert. Diese kennt mancher vielleicht von der seinerzeit limitierten Doppel-CD-Variante.

FAZIT: Existenzängste, symbolträchtig zur Sprache gebracht und mit Musik untermalt, die im Gegensatz dazu kaum unbeschwerter klingen konnte … So darf man den Reiz von "Prince Of The Poverty Line" kurz auf den Punkt bringen. SKYCLAD gaben mit diesem Album unbewusst das definitive Statement in Sachen Folk Metal ab und müssten alleine dafür bis heute auf Händen getragen werden. Martin Walkyer bleibt indessen ein viel singender, unbesungener und tragischer Held. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/8acde65bce4d4dafbec4168fdcf3b11d" width="1" height="1" alt="">

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.10.2017

Tracklist

  1. Civil War Dance
  2. Cardboard City
  3. Sins of Emission
  4. Land of the Rising Slum
  5. The One Piece Puzzle
  6. A Bellyfull of Emptiness
  7. A Dog in the Manger
  8. Gammadion Seed
  9. Womb of the Worm
  10. The Truth Famine
  11. Brothers Beneath the Skin
  12. Widdershins Jig
  13. Cradle Will Fall

Besetzung

Sonstiges

  • Label

    BMG / Noise

  • Spieldauer

    66:01

  • Erscheinungsdatum

    27.10.2017

© Musikreviews.de