Der Norweger Arne Håkon Tjelle (BLOODY BEACH) schlägt mit seinem Soloprojekt SOFT RIDE dem Namen getreu etwas ruhigere Töne an und lässt sich dabei von ELECTRIC EYEs Øystein Braut unter die Arme greifen. "Burgundy" bietet in Hinblick auf die Ausgangskonstellation wie zu erwarten klanglich bewusst unterbelichteten Indie Pop, der sich aus einem vordergründigen Gegensatz speist - dem von Arnes zartem Organ im Verhältnis zu DINOSAUR JR. und den PIXIES würdigem Gitarrenkrach.
Die Bandbreite reicht dabei von fast typischem Power Pop bis zu eher versonnenen Tracks, derweil das Duo Sixties-Psych Marke Großbritannien zitiert und den Hörer andererseits in amerikanische Wüsten entführt, wo sie Staub schlucken müssen. Es geht jedoch wohlgemerkt wie gesagt beschaulich statt atemlos zu, was die unleugbare kompositorische Substanz des Materials in den Vordergrund rückt.
SOFT RIDE beherrschen die Disziplin des kurzen Gassenhauers ebenso, wie sie einen langen Atem beweisen, sodass Abwechslung gewährleistet ist und nicht der Eindruck entsteht, hier würde jemand mit der heißen Nadel stricken. Projektcharakter hin oder her - "Burgundy" ist weder ein Schnellschuss noch eine oberflächliche Nebenspielwiese, sondern …
FAZIT: … ein liebevoll in Szene gesetzter Tribut an Spätachtziger-Alternative und zeitlos gute Rockmusik aller Jahrzehnte. SOFT RIDE erinnern ein bisschen an THE MEGAPHONIC THRIFT, deren Mitglieder die beiden Macher übrigens live unterstützen.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.06.2017
Apollon
43:23
23.06.2017