Ein bisschen hat es Alfred Müller schon mit dem New-Age-Geschwurbel zwielichtiger Gurus und 1960er-Kommunen, aber das passt irgendwie zu seiner ätherisch abgehobenen Musik, die gleichsam an ältere Zeiten gemahnt. Diese Scheibe hier aus seinem reichhaltigen Gesamtwerk erschien bereits 2009 und hat sich nicht ganz so gut gehalten wie einige sowohl ältere als auch neuere
Wer diese Seiten regelmäßig aufsucht, kennt SONIQ THEATER als liebevolle DIY-Hommage an die Referenzwerke der Berliner Schule bzw. Kosmischen Musik (als Genre begriffen), wobei auch immer wieder Namen wie Edgar Froese oder Vangelis fallen. Offengestanden reicht Müller diesen Instanzen jedoch selten das Wasser, doch das dürfte ihm sein Ehrgeiz auch gar nicht abverlangen. Wenn das Projekt zumindest eines schafft, dann zu verdeutlichen, was ein Musiker allein quantitativ leisten kann, ohne sich mit dem Gebotenen eine Schande zu tun.
"Vision Quest" zählt nun also zu den schwächeren Müller-Werken … warum? Nun, zunächst aufgrund der Tatsache, dass der hauptamtliche Organist einige Synthesizer-Sounds verwendet, die selbst Liebhabern der Materie zu abgedroschen vorkommen; handelt es sich bei dieser Aussage noch um eine subjektive Empfindung, lässt sich darüber hinaus konstatieren, dass ein Teil der enthaltenen Kompositionen auf weichem Sand gebaut sind, was konkret vor allem das penetrant auf Ohrwurm gebürstete 'Ninive', 'Half Moon' als seichte Ballade und das nervig klimpernde 'Mourning Soul' betrifft,
Auf der Habenseite verzeichnet Müller das vielschichtige 'The Hobbit' und 'Looking For The Gates', das majestätisch orchestral einer- und mit beschaulichen Panflöten-Sounds versehen andererseits den Klimax von "Vision Quest" bildet. Beachtenswert auch: Alfreds Gesangsleistung im einzigen Stück mit Text, 'Heavensent'.
FAZIT: Einige Momente auf "Vision Quest" sind weniger visionär als ordinär mit ihrer schäbigen Midi-Anmutung und melodischen Motiven, die so klingen, als seien sie mithilfe des Zweifinger-Suchsystems eingetippt statt aus tieferer Inspiration heraus geschaffen worden zu sein. Ohne Höhepunkte kommt das Album wiederum auch nicht aus, zählt aber eindeutig zu SONIQ THEATERs schwächeren Werken.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 08.09.2017
Eigenvertrieb
50:04
01.09.2017