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Space Debris: Back To Universe – Archive Vol. 4

Stil: Space-Kraut-Rock

Cover: Space Debris: Back To Universe – Archive Vol. 4

Wenn unsereins in den Keller geht, findet er Marmeladengläser oder alte Möbel für den Sperrmüll. Christian Jäger entdeckt beim Stöbern unveröffentlichte Musik. Und zwar solche, die keineswegs auf die Müllhalde gehört. Entstanden sind die vier Trio-Aufnahmen 2004 während der „Kraut Lok“-Sessions, also noch mit Keyboarder Tom Kunkel, der hier die Hammond Orgel spielt, oder besser röhren, pumpen, flirren oder geschmeidig säuseln lässt.
Ergänzt wurde das Quartett um zwei Songs, mit ziemlich genau fünfundzwanzig Minuten Laufzeit, aus dem Jahr 2012. Hier stößt Mitja Besen als Bassist hinzu, an den Tasten sitzt Winnie Rimbach-Sator, der zunächst das E-Piano präferiert.

Bereits dieser direkte Vergleich macht aus „Back To Universe“ eine spannende Angelegenheit. Begleitet werden die Keyboarder jeweils von Gitarrist Tommy Gorny und Drummer Christian Jäger. Die beide wie üblich einen vorzüglichen Job erledigen. Jäger sorgt für sehr präsente und wuchtige Rhythmen, Gorny spielt oft zweckdienlich mit Zurückhaltung, doppelt, unterstützt und konterkariert die Tastenklänge. Ohne gänzlich auf markante Soli verzichten zu müssen. Das ist im Lot und in bewegtem Fluss, wie sich das für die Klangexkursionen (zwischen sechs und zwanzig Minuten lang) von SPACE DEBRIS gehört.

Rimbach-Sator ist der filigranere der beiden Keyboarder, mit ihm hält ein dezentes Jazz-Feeling Einzug, explizit bei „Kaleido Scoop“, während die Grundlage des live eingespielten „Psycho Mountain“ psychedelischer Blues ist, bei dem Rimbach-Sator im halluzinogenen Mittelteil an der Orgel brilliert. Ganz starke Interpretation.

Dabei geht Kunkel keineswegs ungeschlacht zu Werke. „Second Sight part 2“ und „Discordant Pompeij Mainstreamkiller“ zeigen ihn als gefühlvollen Interpreten, der auch Kraft aus Ruhe schöpfen kann. Doch seine Spielweise ist roher, drängender, gerade das Titelstück zu Beginn drückt er behände Richtung DEEP PURPLE und vielleicht mehr noch in die Sphären der geschätzten belgischen Psychospacerocker BRAINTICKET. Zumindest eine konzentrierte Variante davon, die selbst aus sich wiederholenden Tonfolgen Spannung erzeugen kann und ansonsten zum bewegten Ritt durch die Lavalampen-Wunderwelt durchstartet.

Zum Abschluss gibt es mit „Schwachbach“ eine – klanglich abfallende – Hommage an Johann Sebastian Bach. Auch das beherrschen die Herren Gorny, Jäger, Kunkel spielerisch. Mit ordentlich Dampf unterm Kirchenmmusikkessel. Da nehmen wir die vernehmliche Portion Hintergrundrauschen als Extrapolitur verzeihend mit.

FAZIT: Wenn Christian Jäger im Archiv verschwindet, kommt er mit einem prall gefüllten Album wieder heraus. Keine Ausschussware, sondern eine gute Stunde Schwelgen in orgellastigen Klängen zwischen Kraut-,Jam-,Blues-,Classic- und psychedelischem Rock, bei den späteren Aufnahmen erweitert um eine Prise Jazz. Klanglich muss man, gerade beim ansonsten feinen Finale, leichte Abstriche hinnehmen, aber das ist bei solch einem stimmigen Ganzen ziemlich egal.

Passend zu dieser kleinen, musikalischen Goldschürferei wird es auch Reissues der „Krautrocksessions 1994-2004“ und „Kraut Lok“ geben. Als Deluxe-Ausgaben mit Bonussongs und erweiterten Longtracks. Jeweils als Doppel-LP auf Vinyl <a href="http://www.green-brain-krautrock.de/" rel="nofollow">HIER via green brain</a> zu beziehen. Natürlich eine dicke Empfehlung für jeden Besitzer eines Plattenspielers. Let it roll…

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.10.2017

Tracklist

  1. Tracklist:
  2. Back To Universe
  3. Second Sight part 2
  4. Discordant Pompeij Mainstreamkiller
  5. Kaleido Scoop
  6. Psycho Monstermountain
  7. Schwachbach

Besetzung

  • Bass

    Mitja Besen

  • Gitarre

    Tommy Gorny

  • Keys

    Tom Kunkel, Winnie Rimbach-Sator

  • Schlagzeug

    Christian Jäger

Sonstiges

  • Label

    Eigenproduktion/green-brain

  • Spieldauer

    66:21

  • Erscheinungsdatum

    01.11.2017

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