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Space Debris: Behind The Gate

Stil: Instrumentaler Kraut-, Progressive-, Jam-, Space-, Classic-, Jazz-Rock Oder so.

Cover: Space Debris: Behind The Gate

Der sechsminütige "New Rag“ auf der SPACE DEBRIS/PAISLEY TREE-Split-Single Ende letzten Jahres schürte hohe Erwartungen an das kommende Album. Wir können diese Rezension kurz halten: "Behind The Gate“ erfüllt diese. Mindestens.

SPACE DEBRIS‘ kreativer Output ist immens. Bislang kein Schwächeln in Sicht. Im Gegenteil, bei "Behind The Gate“ reicht es gar zum Doppelalbum. Wieder instrumental. Und ohne Längen. Der Live bereits erprobte Janni Schmitt hat die Position am Bass komplett eingenommen, fügt sich nahtlos ins gut aufgelegte Ensemble ein und sorgt für eigene Impulse. Das gesamte Album zeigt nicht nur ein gerüttelt Maß an Härte, sondern lässt auch viel Raum für filigrane Momente. Interessanterweise, weil neben dem stilsicheren Wandeln durch die Gefilde des Jam-, Psychedelic-, Kraut- und Progressive-Rocks, plus jazzige Exkursionen, DEEP PURPLE eine wichtigere Einflussquelle darstellen als zuvor.

Nicht umsonst wird im Infosheet auf deren frühe Großkomposition „April“ hingewiesen. Genau jene Melange aus deftigem Rock und lyrischem Lustwandeln durch verschiedene Zeiten, Gefühle und Stile bekommen SPACE DEBRIS prächtig hin. Das beginnt mit "Sunlight“ als röhrendem Weckruf, dem umgehend mit dem Titelsong ein abwechslungsreicher, viertelstündiger Höhepunkt folgt. "Behind The Gate“ ist ein Parcours zwischen gefühlvoller Intimität, großformatigem Schwelgen und gelegentlichen Härten. Da passen selbst kleine Reggae-Episoden hinein, vollmundige Chöre (aus der Keyboardabteilung) sowieso. Und für besondere Momente der Ergriffenheit sorgt Winne Rimbach-Sator, wenn er, von den Kollegen nur ganz dezent unterstützt, zum E-Piano wechselt. Ein Instrument, das ihm besonders liegt, was auch die entsprechenden Passagen beim ebenfalls starken Schleicher "Stardreamer“ belegen.

Daneben gibt es wieder ungestümes Material, ein bisschen Funk, Wah-Wah-Gitarren, passend für jede beschwingte Krautrock-Party, die genügend Flexibilität und das Vermögen besitzt, den Terminus nicht negativ zu deuten. Abschluss der ersten CD ist eine auf elf Minuten verlängerte Version des bereits bekannten, knalligen "New Rag“, bei dem Janni Schmidt solistisch glänzen kann.

Im Mittelpunkt der zweiten Hälfte steht der dreiteilige "Summernightdrive“, der insgesamt über sechsundzwanzig Minuten dauert. Doch zunächst wird mit "Music Is God“ (was denn sonst) jene mythisch-mystische Atmosphäre beschworen, die wir seit seligen DOORS-Tagen schätzen. Auch unabhängig von sengender Wüstenhitze und halluzinogenen Pilzen im mitternächtlichen Essen.
"Blue Alert“ beginnt wie eine Reise mit PASSPORT, wird zwischendurch zum stampfendem Rocker, ohne seine Wurzeln im Jazzrock je zu verleugnen. Schamanentanz in der Jazz-Lounge. Und wieder perlt das E-Piano. Tommy Gorny legt sich zum Abschluss mächtig rockend ins Zeug und Christian Jäger trommelt mit Furor. Starkes Stück.

"Summernightdrive“ lässt es dann lässiger angehen, eine psychedelische Wanderung, garniert mit Frag- und Antwort-Spielen und kleinen Extravaganzen, bevor es an Fahrt aufnimmt und wie besoffen durch den Garten Eden walzt. Nach gut sieben Minuten erwartet man fast einen Saxophon-Einsatz, der aber nicht kommt. Dafür gibt es Orgel satt und schnell pulsierenden Bass. Mit dem zweiten Part wird es flirrend, kosmisch, findet aber immer wieder Erdung durch die stabilisierende Rhythmusabteilung. Insgesamt ist "Summernightdrive“ ein euphorischer Jam, der zum Improvisieren einlädt.

Das relativ kurze "Planet Paradise“ schaukelt das gut bestückte Album schließlich sicher und passgenau nach Hause.

FAZIT: "Behind The Gate“ ist das bislang ausgereifteste Album der hervorragend harmonierenden Musiker. Abwechslungsreich und zugleich stimmig bewegen sich SPACE DEBRIS durch ihr musikalisches Spektrum und immer wieder ein wenig darüber hinaus. Die Band entwickelt sich weiter, ohne ihren Charakter zu verlieren. Ein Ende ist nicht in Sicht. Gut für uns.

Punkte: 13/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.02.2017

Tracklist

  1. CD1:
  2. Sunlight
  3. Behind The Gate
  4. Ohnword
  5. Stardreamer
  6. Sun Of Fun
  7. New Rag (CD only track)
  8. CD2:
  9. Music Is God
  10. Blue Alert
  11. Summernightdrive part 1
  12. Summernightdrive part 1 extended
  13. Summernightdrive part 2
  14. Planet Paradise

Besetzung

  • Bass

    Janni Schmitt

  • Gitarre

    Tommy Gorny

  • Keys

    Winnie Rimbach-Sator

  • Schlagzeug

    Christian Jäger

Sonstiges

  • Label

    green-brain/breitklang

  • Spieldauer

    CD1: 51:52 / CD2: 53:40

  • Erscheinungsdatum

    20.02.2017

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