Nach ihrem Debüt, das im Underground einen Überraschungserfolg feierte (eine EP mit zwei Songs ging voran, jeweils im Mammut-Format mit viel Eigensinn respektive Spurenelementen mittlerer BARONESS, TEMPEL sowie anderer Instrumental-Bleifüße), festigen SPIRIT ADRIFT ihren Ruf als führende Kraft unter neueren Szeneacts wie allen voran PALLBEARER mit einem mehr als beachtlichen Nachfolger.
Dazu benötigt die Band nicht einmal zwei Handvoll überwiegend längere Lieder, bei deren Schöpfung die Mitglieder anscheinend völlig in sich ruhten, denn „Curse Of Conception“ tut sich gerade durch seine Unaufgeregtheit hervor. Ob das eröffnende ‚Earthbound‘ oder das epische ‚Spectral Savior‘, das als Vorzeigesong geschickt mittig platziert wurde, das leicht psychedelische ‚Starless Age‘ oder das phasenweise regelrecht kämpferische ‚Onward, Inward‘ – das Material quillt vor verzahnten Leads, nahtlosen Tempo- und Stimmungswechseln nur so über, ohne dem Hörer den Atem mit zu viel Hektik zu rauben.
Dafür sorgt nämlich schon der Klos im Hals, den der sehnsüchtige Gesang und die heimeligen Gitarrenharmonien auf den allseits warmen Riff-Teppichen heraufbeschworen haben. Das Projekt legt weiterhin entschieden Wert auf seine eigene Handschrift und hat in puncto melodischer Güte im Vergleich zu seinem Einstand aufgestockt. In dieser Form macht es als weniger progressive Ergänzung zu den erwähnten Kollegen eine hervorragende Figur.
FAZIT: Man nehme traditionellen Epic Doom, wie ihn CANDLEMASS immer noch am besten Können, füge einen Schuss WARNING-Melancholie und zeitgenössisch raue Härte hinzu, fertig ist mit "Curse Of Conception" ein überdurchschnittliches Album von Schwermut und Schwerfälligkeit im positiven Sinn, dessen Schöpfer sympathisch unaufgeregt daherkommen, als würden sie wissen: Das Regelbuch dieses Stils haben andere geschrieben, und zwar vor langer Zeit. So einnehmend kann moderne Traditionspflege klingen. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/4054345c2b6c4815a5e8bcd6c6754a51" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 29.10.2017
20 Buck Spin
55:45
27.10.2017