Nach "ADA" erwarteten manche Großes von den Schweizern ST. KITTS ROYAL ORCHESTRA, und "Isadora" mag diese Sorte Hörer bestätigen oder wenigstens zufriedenstellen. Nüchtern betrachtet ist das Album "nur" ein guter Crossover zwischen subtiler Elektronik, ein bisschen Hip Hop sowie Indie Rock der herkömmlichen Sorte.
Einige Stücke auf "Isadora" haben beinahe einen Ambient- oder Lounge-Charakter und wirken zu gleichen Teilen jugendlich unbekümmert und einschläfernd bis zumindest plätschend. Immer dann, wenn ST. KITTS ROYAL ORCHESTRA an der Dynamikschraube drehen, Strukturen aufbrechen und auch schroffe Töne anschlagen, packen sie den Empfänger ihrer Klänge fest am Schopf und regen ihn an, den Faden für sich weiterzuspinnen.
Ebendies mag man auch als Nachteil der Songs ansehen, denn sie muten irgendwie nur "angetäuscht" statt konkret ausgeformt an. Vieles ist reiner Klang bzw. eine bemüht originelle Kombination aus Sounds, deren Substanz sich einzig aus den textreicheren Passagen ziehen lässt. Im Vergleich zu "ADA" bietet die Scheibe weniger davon, was ihre Rezeption erschwert. Freundet man sich mit dieser Prämisse an, erhält man als Gegenwert allenthalben einige interessante Minuten unterm Kopfhörer.
Eine Handvoll Achtziger-Retro-Synthesizersounds ziehen niemandem die Wurst vom Teller, doch die Formation setzt solche Klänge in ungewohnter Weise ein, vor allem im Kontext "organischer" Rock-Instrumente und wie angedeutet ausgesprochen vielfältigen gesanglichen Ausdrucksformen. Nichtsdestoweniger enttäuscht das Endergebnis als verhältnismäßig konventionell, ja nahezu halbgar.
FAZIT: Schade, "Isadora" lässt gefühlstechnisch ein bisschen kalt, während der Kreuzübersound von ST. KITTS ROYAL ORCHESTRA an sich ungemein reizvoll ist und bleibt. Ein Übergangsalbum vielleicht? Man wünscht sich jedenfalls, die Gruppe würde einen Mittelweg zwischen klanglichem Anspruch und Songwriting finden.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 21.04.2017
Waterfall of Colours
39:49
21.04.2017