STATUS QUO und keine Ende – die dritte (Deluxe Edition)!
Das 1981 veröffentlichte „Never Too Late“ war das letzte Album mit Drummer John Coghlan, der wegen massiver Drogenprobleme, die zur Entfremdung der Musiker untereinander führten, die Band verließ und erreichte nur noch den 2. Platz der britischen Album-Charts.
Die Deluxe-Version enthält insgesamt drei CDs, wurde von Andy Pearce und Bob Young von den Originalbändern remastert und enthält auf den Bonus-Discs Archivaufnahmen, eine Single-Version von „Rock‘N‘Roll“, alle Titel einer österreichischen Flexi-Disc sowie eine umfangreiche Konzertaufnahme aus dem Jahr 1981.
Übrigens beginnt auch die sehr empfehlenswerte <a href="http://musikreviews.de/reviews/2017/Status-Quo/The-Vinyl-Collection-1981-1996-10-LP-Deluxe-Edition-Box/" rel="nofollow">10-LP-Deluxe-Box „The Vinyl Collection 1981 – 1996“</a> genau mit dieser LP.
Allerdings wird für die Fans von STATUS QUO wohl wieder der Bonus-Teil, der diesmal sage und schreibe sogar auf zwei zusätzlichen CDs in der dicken, mit 18seitigem Booklet versehenen Digipak-Box daherkommt, von besonderer Bedeutung sein. Und auch hier gilt wie auf den anderen Deluxe-Versionen, ein wenig Licht und viel Schatten prägen diese Beigaben, deren zusätzlichen, bisher unveröffentlichten Live-Aufnahmen in mieser Bootleg-Qualität dargeboten werden.
Bedient man hier nun die Fans mit einer besonderen Beigabe oder ist das nur jämmerliche Abzocke. Da alle drei am 25. Mai 2017 erschienenen Deluxe-Versionen mit solch übel klingenden Live-Aufnahmen aufwarten, ist man wirklich geneigt, hier seine Antwort in Richtung „Fan-Abzocke“ eindeutig festzulegen.
Große Klasse dagegen sind die gut klingenden Aufnahmen der österreichischen Flexi-Disc, die wie eine Radiosendung aufgebaut sind und ein deutscher Sprecher zusätzlich etwas zur Bandgeschichte, den wichtigsten Alben und dem damals aktuellen „Never Too Late“ erzählt. Auch die folgende akustische Instrumental-Version von „Something ‘bout You Baby I Like“ überzeugt mit gutem Sound, bis dann die Live-Aufnahmen der Konzerte vom 6. & 7. März 1981 im Cornwaller Austell mal wieder den Miesen-Bootleg-Klang-Vogel abschießen.
Solche Live-Boni sind einfach lächerlich für eine „Deluxe-Ausgabe“, die klingt, als wäre sie in Omas Hinterzimmer von deren hundert Jahre alten Radio abgespielt worden. Und was anfangs vielleicht noch authentisch und nostalgisch erschien, ist nach dieser wiederholten Deluxe-Strategie einfach nur noch ärgerlich.
Es gibt ein paar gute STATUS QUO-Live-Platten. Dabei aber sollte man es endlich belassen und nicht aus der von Motten zerfressenen Live-Wühlkiste uralter, zurecht im Archiv-Giftschrank von STATUS QUO gebliebener Aufnahmen, diesen Schrott wieder ausgraben und auf eine Deluxe-Scheibe bannen, die so nicht zum Luxus, sondern zur Qual wird.
FAZIT: Die nächste ärgerliche Deluxe-Version von STATUS QUO heißt „Never Too Late“ und riecht mehr nach Geldschneiderei als nach Wahrung der musikalischen Band-Historie. Neben ein paar angenehmen Boni gibt es auch hier wieder jede Menge Live-Aufnahmen in grottenschlechter Bootleg-Qualität, welche die Bezeichnung „Deluxe“ ad absurdum führen.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.06.2017
Alan Lancaster
Francis Rossi, Rick Parfitt
Francis Rossi, Rick Parfitt
Andy Bown
John Coghlan
Mercury Records/Universal
173:19
25.05.2017