Mal wieder eine junge Band aus dem Norden, mal wieder Doom, mal wieder ziemlich gut – das ist der schnelle Überblick zum Debüt-Album von STONE CADAVER.
Auch das dänische Trio bewegt sich im Fahrwasser des angesagten Stoner und Doom Metals. Wie viele ihrer Genregenossen versuchen sie gar nicht erst, sonderlich originell zu sein, oder die Brücke ins Heute zu schlagen. Stattdessen gibt es eine 70er-inspirierte Zeitreise mit Groove, verzerrten Gitarren und hypnotischen Riffs.
Die Grundausrichtung ähnelt der der Berliner Senkrechtstarter von KADAVAR, auch wenn es bei den Dänen etwas weniger knarzt und der Einfluss von BLACK SABBATH stärker durchkommt. Auf einer Ozzy-Ähnlichkeits-Skala gäbe es für den Sänger Anders Bech Nielsen sechs von zehn Punkten.
Das Album wurde live im Studio eingespielt und von James Plotkin, der unter anderem auch schon mit ELECTRIC WIZARD gearbeitet hat, jeweils speziell für LP beziehungsweise CD gemastert. Herausgekommen ist ein Sound, der die nötige Angestaubtheit in sich trägt, gleichzeitig aber auch klar und knackig aus den Boxen kommt.
Langweilig wird „Reject Remove Replace“ nicht. Dafür sorgt die gekonnte Abwechslung zwischen schweren Stoner-Rhythmen, locker nach vorne Rockenendem, wie am Beginn von „Removal Of The Eye“ und leichten und verträumteren Gitarrenklängen. Dazu gehören die Instrumentalpassage in „We Need Your Fucking Blood“ oder auch der stimmungsvolle Akustikpart am Ende des Albums.
Textlich geht es auf der Scheibe recht rabiat zur Sache.
Kiffer- oder Hippie-Themen werden nicht verhandelt, Wut und Verzweiflung stehen eher im Mittelpunkt. Mit „Sscum“ steht zudem am Anfang des Albums ein Song, in dem mit Nazis abgerechnet wird. Und das ist ja eigentlich nie verkehrt.
FAZIT: Im 70er Jahre inspirierten Epigonen-Rock könnten STONE CADAVER mit ihrem Debut einigen Staub aufwirbeln. Gekonnt mischen sie den Doom Sound von Black Sabbath und Co mit groovigen Stoner-Klängen und veröffentlichen ein Highlight im sehr vitalen Retro-Rock-Genre.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.06.2017
Andreas Slocinski
Anders Bech Nielsen
Anders Bech Nielsen
Jesper Hauptmann
Longlife Records
39:27
12.05.2017