Nur rein In( )die Fresse, in den gesichtslosen Schlund des hohlen Kulturkonsumismus, der dafür sorgt, dass gestandene Göttinger Indierocker nur 100 monatliche Hörer auf Spotify haben – was nach dem eben Gesagten jedoch ohnehin ein unglücklich gewählter Maßstab sein dürfte. Für ihr viertes Album haben BLACK AS CHALK das Klavier an den Nagel gehängt und sich ganz auf Gitarrenmusik mit feingeschliffenen Kanten eingelassen.
Obwohl der liebenswerte Opener „Helmet Off“ standesgemäß mit Feedback eingeleitet wird, wird schnell klar, dass BAC keinen großen Wert auf besonders grobschlächtiges Auftreten legen. Stattdessen steht sichtlich durchdachtes Songwriting und abgehangene Melodien im Vordergrund, was mit der netten Hook „Helmet off, fucker!“ früh deutlich wird. Mit ihrem wohltemperierten, doch niemals geleckten, kalkuierten Sound erinnern Black As Chalk an die Schweden von RIDDARNA, vage kommen manchmal auch GREEN DAY in den Sinn… <i>sehr</i> vage.
Mit „The Commuter“ beweist die Band, dass sie sehr wohl offen ist, auch für drastischere Variationen ihres Soundbildes. Das Stück schafft mit seinen E-Drums und der düsteren, sparsamen Instrumentierung eine nächtlich nasskalte MASSIVE ATTACK-Atmosphäre. Sehr gelungen das. Ihr Meisterstück liefern BAC dann mit dem folgenden „In This Gloom“. Gut ist es, dass die Band bei vielen anderen Gelegenheiten sparsam bis knauserig mit der ihr zu Gebote stehenden Spielzeit umgegangen ist, um sie in die wunderbaren acht Minuten dieses Songs zu investieren. DINOSAUR-hafte Gitarrenvitalität umgibt einen majestätischen Refrain, erneut: Hut ab vor diesem gekonnten und nachhaltig wirkenden Songwriting.
Die Diversität dieses Album fordert einen weiteren Schritt im Track-byTrack-haften Beschreiben, ehe es ans generelle Loben gehen kann, denn mit „Letting Go“ lassen BAC noch eine kleine, reduzierte Akustikidee vom Stapel, natürlich kommt der Waschzettel gleich mit Johnny Cash, soll er doch. Während der restlichen Spielzeit besinnen sich BAC nicht unerfolgreich auf ihr angestammtes Genre, ehe die düstere KING DUDE-Todesblues-Nummer „Line 41“ das Album beschließt.
FAZIT: Nun also das allgemeine Loben. BLACK AS CHALK überzeugen mit „Ouro“ auf eine stilvolle, hochwertige, unaufdringlich abwechslungsreiche Art. Nachhaltiger Indierock, der sich Phrasen und flach gehaltenem Referenzenpingpong erfolgreich verschließt. Lob Ende.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 31.10.2018
Fabian Kaluscha
Julian Schima
Julian Schima
Tim Geppert
Magic Mile Music/MIC
41:08
14.09.2008