Wenn Kritiker sich damit schwer tun, eine Band in eine Schublade zu stecken, hat das meist damit zu tun, dass besagte Combo ein Grenzgänger zwischen mehreren Genres ist. Dies ist auch der Fall bei BLACKBERRY SMOKE, deren Stil irgendwo zwischen Country, Westcoast, Southern Blues / Rock und Classic Rock anzusiedeln ist. Obiges Dilemma führt dann auch dazu, dass, wie in diesem Fall, die Alben solcher Bands in verschiedenen Billboardcharts gelistet werden, ein nicht zu verachtender Wettbewerbsvorteil.
Dementsprechend vielschichtig und vielseitig klingt auch das neueste Werk des Quintetts aus Atlanta. Neben astreinen Country Nummern finden sich Titel im Stil der Kulttruppe ´38 SPECIAL, sowie bluesige und groovende Rocker, die beweisen, dass sich die Mannen um Bandleader Charlie Starr nicht auf eine Stilrichtung beschränken, sondern munter ausprobieren und sichtlich Spaß an Richtungswechseln zeigen.
Los geht es mit „Flesh And Bone“ mit pumpenden Gitarrenriffs á la ZZ TOP, ein starker Opener, der wesentlich härter als der Rest des Albums ist, aber gerade deshalb richtig platziert ist, weil der Song derartig Lust auf mehr macht, dass mit „Run Away From It All“ der fast vollständige Schwenk Richtung Roots-Rock nicht weiter ins Gewicht fällt, ein Titel auf den selbst POCO stolz gewesen wären.
Teilweise reichen Bass, Violine, Western- und Slide-Gitarren wie in „I´ve Got This Song“ aus, die Hörer/Innen zu fesseln, dann wiederum fährt die Band das volle Programm an Instrumenten auf, was in enorm druckvollen Southern-Rock Titeln wie „Best Seat In The House“ voll zur Geltung kommt.
„Nobody Gives A Damn“ ist ein reinrassiger Rocker mit Westcoast-Vibe, treibendem Beat und Piano Fill-Ins, während „Til The Wheels Fall Off“ einen Gang herunterschaltet. Dass dies der Song ist, mit dem sich Sebastian Vettel auf die Rennen der Formel 1 vorbereitet, ist wohl nur ein Gerücht.
„Mother Mountain“ kommt fast an die guten, alten Croby, Stills & Nash heran und überzeugt durch mehrstimmigen Harmoniegesang, der stark an „Teach Your Children“ erinnert. Ein echtes Highlight zum Abschluss.
FAZIT: BLACKBERRY SMOKE haben es mit ihrem sechsten Longplayer „Find A Light“ wieder geschafft, als Grenzgänger zwischen den stilistischen Welten ein Album zu produzieren, das sich nur schwer in eine Schublade zwängen lässt. Von Westcoast, Rock, Blues, Americana bis Country reicht das immer abwechslungsreiche Spektrum, das zudem auch noch sehr sauber produziert ist. Genau die richtige Musik, um den Highway mit sagenhaften 55 mph herunter zu cruisen und sich im Schein der untergehenden Sonne den lauen Wind ins Gesicht wehen zu lassen. Ein starkes Stück.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.06.2018
Richard Turner
Charlie Starr, Richard Turner, Paul Jackson
Charlie Starr, Paul Jackson
Brandon Still
Brit Turner
Levi Lowrey - Geige, Robert Randolph - Pedal Steel Gitarre, Benji Shanks - 12 String Gitarre, Dobro, Gaulrav Malhotra - Congas
Earache Records
53:17
06.04.2018