Henry Vasquez ist als Drummer im Stoner-Bereich mindestens halb legendär. Bereits Anfang der 1990er war er maßgeblich an Archie Bunkers einzigem Album beteiligt, das zu den vergessenen Klassikern des Genres gehört und ihn zu den Kult-Sludgern Sourvein führte. Im Laufe der Jahre rückte er immer weiter in den Nimbus von Scott „Wino“ Weinreich, sodass er bei dessen Trio Spirit Caravan mitwirkte und schließlich die Drumsticks des 2010 verstorbenen Saint Vitus-Urmitglieds Armando Acosta übernahm. Von seiner Hauptband BLOOD OF THE SUN wissen bedauerlicherweise nur die Wenigsten.
Vasquez hält sein Schiff unbeirrbar auf Kurs, auch wenn ihm dabei zwischenzeitlich so gut wie alle Matrosen abhandenkommen. BLOOD OF THE SUN zeigen sich einmal mehr fast völlig umgekrempelt und dennoch in mehr als solider Form, auch wenn neben Organist Dave Grader (seine vorläufige „Doktorarbeit“: das Solo im rasanten ‚My Time‘) tatsächlich nur ihr Label eine Konstante im Schaffen des Drummers unter diesem Banner ist.
Neusänger Sean Vargas stieg gleich nach den Aufnahmen zum geilen Vorgänger „Burning On The Wings Of Desire“ hinzu, konnte sich also im vollen Umfang einbringen und geht in den sehr dicht arrangierten Songs dennoch fast unter. Das mag daran liegen, dass sich die Band in Sachen Jam die Zügel schießen ließ, wobei über acht Minuten dauernden Boliden wie ‚Livin‘ For The Night‘ und ‚Air Rises As You Drown‘ (mehr Space Rock geht nicht) entstanden. Der Frontmann verblasst darum ein wenig gegenüber den schillernden Instrumentalparts.
Zu Beginn stellt die Peitsche ‚Keep The Lemmys Coming‘ – der älteste der aktuellen Tracks – die stilistischen Weichen für alles weitere, denn müsste man „Blood‘s Thicker Than Love‘ an einer Eigenheit festmachen, wäre dies sein fieberhafter Vorwärtsdrang. Was dies betrifft, tut der groovige Ruhepol ‚Stained Glass Window‘ gut, zumal der Sänger sein Trümpfe hier ausnahmsweise ausspielen darf.
FAZIT: "Blood's Thicker Than Love" steht bezeichnend für einen Zusammenschluss von Musikern, die erst noch zusammenwachsen müssen, und ist ein typisches Übergangswerk von BLOOD OF THE SUN, die jedoch weiterhin eine Kapazität in Sachen Classic Rock mit Doom-Kante bleiben. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/414675a35a4248e3adb22e7d22e4dae7" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.10.2018
Listenable / Edel
50:23
19.10.2018