Das Artwork von "High Flyer" ist in so bescheuerter Weise auf den Titel des Albums und den Namen seiner Urheber gemünzt, dass es schon wieder schmunzeln macht … auch weil sich BULLFROG (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Münchner Band vom Anfang der 1970er) mit ihrem fünften Album zu keiner Sekunde eine Schande tun und einmal mehr unterhaltsamen, kurzweiligen Bluesrock ohne Originalitätsanspruch spielen.
Das Trio stammt vom Stiefel, doch das merkt man ihm nicht an, wo andere, die nicht aus dem Ursprungsland des Stils stammen, bisweilen unangenehm bieder anmuten. BULLFROG profitieren jedoch abgesehen von ihrem Frontmann von ihrer schwungvollen Rhythmusgruppe, wobei Bassist Francesco Dalla Riva auch singt und sein Bruder Michele Schlagzeug spielt. "It's all in the family"? Nicht ganz.
Gitarrist Silvano Zago hat jene rauchige Stimme, die man zu einem glaubwürdigen Vortrag in diesem Genre braucht, und zudem ein leises Glenn-Hughes-Timbre, mit dem sich das Material auch ein Stück weit in den Soul-Bereich rücken lässt. Während 'Dangerous Trails' beweist er einen feinen Geschmack, wenn es um einen satten, aber eigenständigen Gitarrensound geht, und angesichts des aufbegehrenden 'Hot Rod' darf man ihm ein bestechendes Gespür für Dramatik bescheinigen, die gerade im Blues so einigen Combos abgeht.
Heavy und sloooooow geht es im melancholischen 'Three Roses' - wieder mit Hammond - und während 'Beggars and Losers' zu, das mit dem markantesten Riff des Albums ausgestattet ist. Bei 'Blind Leader' handelt es sich indes um das Epos von "High Flyer" - und apropos Epik: im akutischen 'Johnny Left the Village' sind die Einflüsse von Led Zeppelin einerseits und diversen US-Singer-Songwritern andererseits offensichtlich.
Am wenigsten den Blues haben der glanzvolle Classic Rocker 'Dance Through the Fire' und die kurze, beschauliche Ballade 'River of Tears' zum Schluss.
FAZIT: Erlesener Blues Rock, einmal mehr aus Europa, aber wie aus den USA klingend - BULLFROG gehören zu jenen Power-Trios, deren Musik eigentlich immer geht, denn die Band zeigt sich Jam-freudig wie Phish oder Cream als Pioniere der Stilistik, schreibt aber auch hervorragende Stücke, die trotz ihrer konservativen Art uneingeschränkt frisch daherkommen. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/17efffe23ace4cccb268685b5db7c8e8" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.12.2018
Grooveyard/Just For Kicks
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07.12.2018