Auch wenn der Bandname LYRA‘S LEGACY musikalisch etwas Anderes vermuten lässt, was eher im Mittelalter- oder Gothic-Rock angesiedelt ist, so haut die 2008 in Bochum gegründete Band gehörig auf die Power-Metal-Pauke und fügt sicherheitshalber gleich noch eine Begründung für die Wahl ihres Namens „Das Vermächtnis der Lyra“ hinzu: „Die Lyra gilt als eins der ersten Saiteninstrumente der Geschichte und ist somit der Wegbereiter des Metal.“
Ach ja, wenn das doch die ganzen Minnesänger gewusst hätten – doch irgendwie ist die Vorstellung eines Walter von der Vogelweide im Metal-Gewand doch ziemlich abwegig. Sei‘s drum – schließlich ist gerade im Genre des Power Metal jedes Klischee erlaubt. Und auf „Prisoner“ fühlen sich alle Klischees, die man mit dieser Musikrichtung verbindet, sauwohl, was schon beim kunterbunten Mythologie-Cover beginnt, sich in der „Gefangenen“-Story – die übrigens sehr gesellschaftskritische Bezüge aufweist – fortsetzt und natürlich der Musik <a href="https://www.youtube.com/watch?v=JO0UAWEREko" rel="nofollow">des Bochumer Metal-Quintetts</a> vollendet.
Allerdings sollte hier erwähnt werden, dass genau diese Klischees von den Fans der Szene erwartet werden, sie damit nichts Schlechtes sind, aber garantiert auch nichts weltbewegend Neues enthalten und von LYRA‘S LEGACY auf <a href="https://www.youtube.com/watch?v=RjQH7qq-OHs" rel="nofollow">ihrem aktuellen 2018er-Album</a> professionell umgesetzt werden, selbst wenn es beim Gesang – besonders in den ruhigeren, akustischen Passagen – mitunter noch ein paar Reserven gibt. Sowie die große „Power“ ausbricht, passt Christian Casaccias Röhre aber perfekt.
Es hat lange gedauert, bis LYRA‘S LEGACY nach nunmehr 10 Jahren ihres Bestehens dieses Debüt-Album vorlegen. Vielleicht waren sie selbst die Gefangenen, die zwar auf den Konzertbühnen Beachtliches leisteten, aber sich bis dahin mit einer überzeugenden Studio-Produktion noch nicht aus ihrem „Live-Gefängnis“ befreien konnten. Also ist es auch kein Wunder, dass sich „Prisoner“ in dem Umfeld bewegt, in dem sich LYRA‘S LEGACY bei ihren Live-Auftritten in Deutschland und den Benelux-Staaten bewegten, wo sie gemeinsam mit MAJESTY, FREEDOM CALL oder <a href="https://www.youtube.com/watch?v=KbbcptTqxzA" rel="nofollow">als Vorband der Amis HOUSE OF LORDS</a> spielten.
Sakrale Chorpassagen und bedrohlicher Bombast leiten „Prisoner“ ein, um kurze Zeit später zu druckvollem Metal überzugehen und konsequente auf der Power-Schiene zu fahren, die neben den fetten Keyboards, gehörig brazenden Gitarrenriffs und ein vorwärtstreibendes Drumming auch jede Menge ruhige, fast balladeske und akustische Momente, in denen besonders das klassisch anmutende Piano-Spiel überzeugt, sowie sehr melodiösen Gesang enthält. Besonders der Titeltrack, der zugleich eine gehörige Portion an Pathos (zu dem kurioserweise <a href="https://www.youtube.com/watch?v=DVh6CTdS-g8" rel="nofollow">das offizielle Video</a> von Pathos-Film gedreht wurde) enthält, ist ein überzeugendes Beispiel für die vielfältigen Stimmungswechsel des Albums, dem man vielleicht ein wenig zu ausgeprägte Klischeelastigkeit, aber garantiert keine Langeweile vorwerfen kann.
FAZIT: Mit „Prisoner“ gibt‘s zwar nichts Neues, aber trotzdem recht Gutes von der Power-Melodic-Metal-Front zu hören. Ein guter Debüt-Einstand von LYRA‘S LEGACY und der Startschuss für das 2018er-Jahr, in dem es sicher noch einige kraftvoll-metallische Überraschungen wie diese zu entdecken gibt.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.01.2018
Tobias Breuer
Christian Casaccia
Andreas Denz
Romuald Tichawski
Fabius Farkas
Roll The Bones Records
48:48
19.01.2018