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Multi Story: Live At Acapela

Stil: Neo-Progressive-Rock

Cover: Multi Story: Live At Acapela

Der rührige Promoverteiler Koß hat es gut mit mir gemeint und zu den Wunsch-Alben noch den aktuellen Live-Output von MULTI STORY dazu gepackt. Das Studioalbum war nicht so die Erleuchtung: Netter, gefälliger Neoprog symphonischen Einschlags, ohne Ecken und Kanten, aber auch ohne peinliche Ausfälle. Anderthalb Jahre später erscheint „Live At Acapela“, mitgeschnitten während der „Crimson Stone“-Tour.

Was für das Studiowerk galt, setzt sich live fort. MULTI STORY zelebrieren rund fünfundneunzig Minuten jenen Sound, den MARILLION während der FISH-Ära mitgeprägt haben. Oder die frühen PENDRAGON. Wobei Sänger Paul Ford stimmlich ziemlich nahe an Onkel FISH (in ehemaligen, besseren Tagen) heranreicht. Etwas bräsiger, atemloser und nasaler vielleicht, was ihn allerdings vom Klon unterscheidet, insgesamt meist schmerzfrei hörbar. Wobei er auf einige fishtypische Manierismen, wie die abgehackten „Ah“- und „Uh“-Ausrufe hätte verzichten können.

Die Musik ist fast durchweg von getragener Erhabenheit und geprägt vom reichhaltigen Tasteninstrumentarium. Die Drums poltern, der Bass pumpt, dann und wann darf die Gitarre für etwas rauere Klänge sorgen, wobei Aggressivität ein Fremdwort für MULTI STORY ist. Die Musik bleibt gemütvoll, freundlich und anachronistisch. Manchmal lassen kleine Besonderheiten aufhorchen, wie ein geschmeidiger Orgel-Einsatz („Hold Back The Night“), rumpelige Breaks („All Out Of Our Love“ – bei dem Ford gesanglich allerdings schwächelt), das psychedelische Gezirpe samt eigenwilliger Trommelvorführung bei „Murmuration“, die schnuckelige Umsetzung des „Crimson Stone“-Titelsongs oder das verzweifelt um nachgeborenen Klassiker-Staus bemühte „Tutankhamun“: So großformatig wie elegisch über achteinhalb Minuten in Szene gesetzt.

Der Klang des Albums ist ordentlich, mehr leider nicht. Man merkt, dass die Produktion eine der eher kostengünstigen Art war, Bootleg-Qualität wird zwar locker übertroffen, der Rauschpegel ist erfreulich niedrig, doch bewegt sich der Sound zwischen gediegener Kelleratmosphäre und Festivität im großen Pappkarton. Die Aussteuerung erscheint manchmal etwas willkürlich, die verhaltenen Reaktionen des Publikums lassen zudem darauf schließen, dass die Location nur mäßig besucht war oder die Massen durch konzeptionelle Zurückhaltung glänzten. Soll bei Proggern vorkommen. Aber wir kennen weit Schlimmeres.

Das FAZIT bleibt das gleiche wie ehedem: Live klingen MULTI STORY ebenfalls ein bisschen wie aus der Gruft (auch soundtechnisch). Ein schaumiges Bad in Nostalgie sitzt allemal drin, besonders für Hörer*innen, die der FISH-Ära von MARILLION nachtrauern. Nix, weswegen man nach Hause telefonieren müsste. Aber so nostalgische wie gefühlsduselige Unterhaltung.

PS: Und wo das Album von Freunden guten Progrocks gekauft wird, ist ja eigentlich klar, <a href="https://www.justforkicks.de/detail.asp?sid=2704302M66N249N76N78&uid=0&id=24874&lid=1" rel="nofollow">genau hier mit einem Klick</a> und nicht bei...

Erschienen auf www.musikreviews.de am 13.01.2018

Tracklist

  1. CD1:
  2. Breaking Ground
  3. Murmuration
  4. Sly Dream Catcher
  5. 12.16
  6. Tutankhamun
  7. Crimson Stone
  8. Black Gold
  9. CD2:
  10. The Wire
  11. Ahead Of Your Time
  12. Heroes
  13. Hold Back The Night
  14. Rub It Off
  15. All Out Of Love
  16. Star Traveller

Besetzung

  • Bass

    Kyle Jones

  • Gesang

    Paul Ford

  • Gitarre

    Aedan Neal, Paul Ford

  • Keys

    Rob Wilsher

  • Schlagzeug

    Jordan Neale

Sonstiges

  • Label

    Festival Music/Just For Kicks Music

  • Spieldauer

    CD1: 54:12/CD2: 39:07

  • Erscheinungsdatum

    05.01.2018

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