Ein Italiener auf Abwegen: Romano Nervoso tummelt sich künstlerisch schon seit einiger Zeit im frankophonen Raum und hat dort auch eine Band um sich geschart, mit der er wiederum im Studio eines Spezialisten für skandinavischen Power Rock gelandet ist: Pelle Gunnerfeldt (u.a. The Hives, Mando Diao) hat dem Songwriter und Frontmann einen für "ROMANO NERVOSO I Don‘t Trust Anybody Who Doesn't Like Rock 'n' Roll" angemessenen Sound hingebogen, denn die enthaltene Musik steht ganz im Zeichen vieler jener Überschall-Schweden-Bands, die Ende der 1990er eine kurze Zeitlang für Furore sorgten.
Die Scheibe knüpft dort an, wo Romanos vierte "Born To Boogie" vor drei Jahren aufhörte - keine Experimente, voll Stoff bei hoher Spielfreude mit einer Menge Witz und handwerklichem Esprit. Als Komponist ist der Mann ziemlich unschlagbar, haut er doch im Akkord Gassenhauer heraus, ob im "stop and go"-Verfahren wie mit 'Rather Kill A Man' oder geradlinig forsch, wofür 'American Dream' beispielhaft steht.In den "amerikanischsten" Augenblicken schimmert dann der Glam des jungen Alice Cooper oder von Twisted Sister durch (höre die vielen "Uhhh"-Chöre), wohingegen ansonsten auch gern mal ein alter Spaghetti-Western bemüht wird - beispielsweise im muttersprachlich vorgetragenen 'Looking For the Sun'.
Ein bisschen trashig ist das alles schon, macht aber auch riesigen Spaß. ist eingängig wie blöde und versprüht durchgängig hohe Energie. 'Don't Wanna Be Your Toy' (Cowbell!) ist programmatische Mucke zum Sich-Danebenbeneben und Wieder-Jungfühlen. seinen besten Momenten - und derer gibt es viele auf dem Album - klingt Romanos Band wie Status Quo auf Speed oder ganz dreckige Franz Ferdinand. Einstweiliges Gestammel lässt an die frühen The Who, was praktisch zu dem Eindruck führt, man habe es mit Mod-Beat für die Jetztzeit zu tun.
Klar, eine einzige Referenzhölle, und dies mit einem unverhofft bluesigen Höhepunkt in Form von 'In My Mind' im Duett mit der nach Belgien emigrierten Amerikanerin Beverly Jo Scott. Unberechenbar? Aber hallo.
FAZIT: "I Don‘t Trust Anybody Who Doesn't Like Rock 'n' Roll" bedient inhaltlich alle Genre-Klischees, ist aber musikalisch ein Hochkaräter - farbenfroher Garagen-, Indie oder Rotzrock, wie er von rund 20 Jahren nicht besser gespielt wurde, und obendrein versehen mit einer eigenen, irgendwie typisch italienischen Handschrift. <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/91107799ba0c4c1ab7d2ab74c498b7fd" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.05.2018
Suburban / Soulfood
28:31
06.04.2018