Ist die Rede von extremem Metal aus Chicago, kommen einem zuerst die wiedererstarkten Veteranen Usurper in den Sinn, und über die Jahre hin gab es zwar auch immer wieder hörenswerte Newcomer aus "Windy City", doch BONES gehören nur auf den ersten Blick dazu. In Wirklichkeit handelt es sich bei dieser neuen Band um ein Nebenprojekt von Joe Warlord, dem Schlagzeuger der Usurpatoren - und zwar gemeinsam mit zwei anderen Musikern, die früher zu seiner Kultcombo gehörten.
Carcass Chris spielt Gitarre, und Jon Necromancer (übrigens auch Doomsday) hat sich den Bass umgehängt. Alle drei Mitglieder singen, und stilistisch orientieren sich BONES -wen wundert's? - mehr oder weniger deutlich an Warlords Hauptbetätigungsfeld. Tendenziell geht das Trio jedoch schneller zu Werke und bedient sich allenfalls marginal bei Vorreitern wie Hellhammer oder Venom. "Diseased" zeichnet sich vielmehr durch nahezu klassische Black-Metal-Riffs und ein entsprechend hohes Tempo aus, wohingegen die wenigen schleppenden Passagen (etwa im ansonsten ebenfalls rasanten 'Mass Graves') den sprichwörtlichen Bock nicht fett machen.
Gemein mit den aktuellen Usurper haben BONES eine verhältnismäßige Schlichtheit, was sowohl ihre Kompositionen als auch die Einzelperformances der Protagonisten angeht. Keiner zeigt, was er technisch auf dem Kasten hat (dürfte sowieso nicht außerordentlich viel sein), doch das Songwriting ist keinesfalls anspruchslos. Zahlreiche Rhythmuswechsel und Breaks sowie das eine oder andere kurze Rock-'n'-Roll-Solo genügen der Combo, um sich über eine kurze halbe Stunde Spielzeit lang hinwegzuretten.
Trotz dreier Stimmen sind die einseitigen Vocals der Schwachpunkt der Scheibe; ansonsten lockern ein paar atmosphärische Midtempo-Nummern (Titelstück, 'Down', 'Broken Wheel') und etwas Crust-Punk-Geprügel die Chose zusätzlich auf.
FAZIT: Extremer Metal mit Grind Punk-Rotz à la Repulsion nach traditionellen Mustern, gespielt von alterfahrenen Besessenen - "Diseased" ist ein zwar leidlich originelles, aber hörbar mit Leidenschaft ersonnenes Black-Death-Album, das mindestens zu drei Vierteln aus zwingenden Songs besteht … was heutzutage mehr ist, als die meisten Szene-Acts von sich behaupten dürfen. <img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/a51bbd7d2272472292dd59e8dcbbcbb5" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 21.09.2019
Transcending Obscurity
32:52
20.09.2019