Der Nachfolger zu "Mankind Woman" ist das tatsächlich schon 14. Soloalbum von Brant Bjork und erscheint auch deshalb keine zehn Monate später, weil die darauf enthaltenen Ideen bereits 2010 beim Solo-Jammen mitgeschnitten wurde. Seinerzeit legte der Schlagzeuger und umtriebige Songwriter Material bis auf weiteres auf Halde, das er im Alleingang mithilfe von Studiotechniker Tony Mason in Kalifornien Spur für Spur aufgenommen hatte.
Da niemand dem ehemaligen Fu-Manchu- und Kyuss-Mann unter die Arme griff, klingt "Jacoozzi" weitgehend improvisiert, aber nicht völlig ausgefranst, wie man deshalb befürchten könnte. Es erinnert vor allem in schwungvollen Momenten wie 'Guerllia Funk' oder 'Lost In Race' ein wenig an Brants Frühwerk "Jalamanta" und weckt keineswegs den Verdacht, man habe es mit Ausschussware zu tun.
'Can't Out Run The Sun' stellt als Verschränkung eine meditativ perkussiven Grundpulses mit einem fürwahr die Sonne aufgehen lassenden Gitarrenmotiv, das bis zuletzt zahlreiche Wandlungen durchläuft und sich in mehreren Spuren selbst umspielt, sozusagen die Stimmungsweichen. "Jacoozzi" ist ein ausgesprochen lässtiges, positives Album, auf dem man keinen Gesang vermisst, weil Bjork sein überdurchschnittlich gutes Gespür für eingängige Melodien vollends zur Geltung bringt, sei es im vorwitzigen 'Mexico City Blues' oder während des treibenden Psych-Trips Qui, dem verspielten Höhepunkt der Scheibe.
Ein Hang zum Jazz, den Bjork zwar nicht spielt, aber ideell immer im Sinne musikalischer Freiheit hochgehalten hat, lässt sich vor allem im andächtigen 'Mixed Nuts' (auch der eingesetzten Orgel wegen) oder während des im positiven Sinn schrägen 'Polarized' ausmachen. Dies ist die sperrigste Nummer auf "Jacoozzi", gleichwohl ihre Platzierung kurz vor Schluss stimmig wirkt; eingedenk ihrer lässt sich bis zum ruhigen 'Do You Love Your World?', dem einzigen Track mit leisen Vocals, ein Spannungsbogen nachvollziehen, der vergessen macht, dass der Künstler eigentlich nur liegengelassene Ideen aneinandergehängt hat.
FAZIT: Als Sammlung von Outtakes ist "Jacoozzi" eine verblüffend runde Sache geworden, die sich stilistisch und atmosphärisch nahtlos in Brant Bjorks umfangreiche Diskografie einreiht. <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/997471dd03594e28ac8ed0bf6d71fb8f" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.04.2019
Heavy Psych / Cargo
46:48
05.04.2019