Nach ihrem selbst betitelten Debüt von 2016 haben Bridges und Seamus Blake ihre ersten Kompositionen emsig auf Tournee beworben und ihre Fähigkeit zur Interaktion miteinander als Einzelmusiker geschult. Kapital daraus schlagen sie nun nach diesem im Herbst 2018 im norwegischen Oslo aufgenommenen Album.
"Continuum", der Titel weckt Erinnerungen an Weather Report, doch wer nun feurigen Fusion-Stoff wie aus den 1970ern erwartet, liegt natürlich falsch. Bridges-Kenner wissen, dass der Name des Quintetts für kühlen Nordic Jazz ohne sonstige Stereotypen steht, die damit einhergehen. Jawohl, ein bisschen distanziert spielt der Fünfer um die beiden nordamerikanischen Bläser Blake und Hayden Powell zwar immer auf, doch demgegenüber stehen aktuell beispielsweise der lässige Swing von 'The Clues', das in seiner Wucht an manchen Stellen fast eine Big Band dahinter vermuten lässt, oder den epischen Minifilm 'The Jupiter Line', mit dem die Mitglieder über acht Minuten hinweg alle Registert ziehen.
Der Fokus liegt wie anfangs angedeutet auf ihrem Zusammenspiel. Klaviervirtuose Espen Berg und Bassist Jesper Bodilsen erhalten mehr Freiräume zur Improvisation, die man nicht direkt als solche wahrnimmt, weil die vermutlichen Stegreif-Parts oft wie vorab festgelegt bzw. komponiert wirken. Bridges lassen "Schwieriges" leicht erscheinen, und selbst Schlagzeuger Anders Thorén Schlagzeug kommt in gezielt platzierten Momenten solistisch zum Zug, wobei er sich genauso durch seine rhythmische Prägnanz auszeichnet wie in etwa im sparsamer arrangierten 'Slightly Behind'.
Dass die Stücke jeweils von mehreren und nie einer einzelnen Person geschrieben wurden, merkt man ihnen an. Keines lässt sich bereits nach 30 Sekunden in seinem weiteren Verlauf vorhersehen, alle forcieren den Gesamteindruck, hier spiele eine feste musikalische Einheit auf … wie es ja eigentlich immer sein sollte, auch und gerade im Combo-Jazz.
FAZIT: Auf "Continuum" meistern Bridges die Disziplin des traditionellen akustischen Jazz in erweiterter Besetzung mit Bravour. Die neun Tracks bestechen sowohl durch strukturelle Ökonomie als auch verschwenderisch dichte Passagen, ohne dass sich ihre Schöpfer abgegriffener Motive oder offensichtlich zitierter Wendungen bemühen würden. So und nicht anders hält man das zeitlos Klassische in jeder Art von Kunst frisch. <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/80938ee96c6d4433bf02f0b3b1568ca5" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.04.2019
AMP Music & Records / Broken Silence
49:13
19.04.2019