Denkt man beim Titel von BRUCE SOORDs zweitem Soloalbum an Oceansizes 'One Day This Could Be All Yours', liegt man nicht völlig daneben, doch die Landsleute des Briten waren zu Lebzeiten härter, als er es sowohl im Alleingang als auch mit seiner Band The Pineapple Thief je zugelassen hat.
Als längeres Intro gibt 'The Secrets I Know' gleich vorneweg zu denken, und die Vermutung bewahrheitet sich wirklich: "All This Will Be Yours" muss bedauernswerterweise weitgehend ohne steile Spannungskurven auskommen, ob nach oben oder abwärtsgerichtet. Genauer gesagt ist 'Cut The Flowers' praktisch das einzige nicht durchgehend behäbige Stück, wohingegen 'All This Will Be Yours' und 'You Hear The Voices' mit ihren jeweils fast sieben Minuten und ausgeprägtem Trip Hop-Flair (in der Tat geht der Macher hier gesanglich als Beth Gibbons' männliches Pendant durch) die zentralen Tracks der Scheibe darstellen.
Dazwischen findet sich bei aller Liebe zu spitzfindigen Kleinigkeiten, die der Multi-Instrumentalist als arrivierter Klangdesigner an den Tag legt, schlicht zu viel Leerlauf. 'Our Gravest Threat Apart' grenzt mit störendem Quietschen und Bimmeln beispielsweise an Dekonstruktion eines introvertiert schwermütigen Lieds in gepflegter Singer/Songwriter-Tradition, doch falls dies SOORDs Hauptanliegen ist, bringt er es leidlich überzeugend rüber.
Steven Wilson schaffte mit seinen verschiedenen Projekten Vergleichbares in spannenderer Form, und wenn man sich 'The Solitary Path Of A Convicted Man' sowie 'Time Does Not Exist' zu Gemüte führt - beides rein akustische Schönheiten mit dezentem Schlagzeugspiel - möchte man dem Künstler einbläuen, das Experimentieren bleibenzulassen.
Wenn das Label darauf hinweisen muss, dass er alte Produktionstugenden mit neuen verschränkt und analoge mit digitalen Klangerzeuger kombiniert, hat das den Anschein, als handle es sich bei diesem Album um reine Befriedigung eines Produzenten-Egos; einfach nur gute Lieder sucht man vergeblich, und für einen Soundtrack herrscht zu wenig Dynamik.
FAZIT: Thema verfehlt? BRUCE SOORDs zweiter solistischer Ausflug ist weder Fisch (The Pineapple Thief ebenbürtige Songwriting-Klasse) noch Fleisch (kunstvoll im Studio konzipiertes Programmkopfkino), sondern eine unfokussierte Reihung allenfalls durchwachsener musikalischer Ideen inklusive nervig introvertierter Texte. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/f512981443de49ae893ac26c4fa840b8" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.10.2019
KScope / Edel
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25.10.2019