Obwohl "White Stuff" fast 20 Jahre nach ROYAL TRUX' letztem Album „Pound For Pound“ erscheint, hat sich die Band mit ihren jüngsten Kompositionen in keiner Weise neu erfunden. Die Band aus Washington, D.C. lebt immer noch in einer Welt, wo das 21. Jahrhundert nie begonnen hat, und spielt kaputten Alternative (Noise) Rock, dem gegenüber Gruppen wie Mudhoney oder Nudeswirl geradezu mainstreamig erscheinen.
Neil Hagerty und Jennifer Herrema können offensichtlich keine konventionellen, geradlinigen Songs schreiben, sondern legen nach wie vor eine jugendliche Freude am Krachmachen an den Tag, bei der kein Auge trocken bleibt. Rhythmisch wirkt "White Stuff" selbst in langsamen Momenten wie 'Year Of The Dog' ausgesprochen verspielt, falls man überhaupt von geradlinigen Pulsen sprechen kann. Oft holpern und stolpern ROYAL TRUX vielmehr durch ihre kurzen Lärmschläger, unter welchen die beiden beiden 'Purple Audacity'-Tracks als besonder schräg herausragen.
Als wäre das alles nicht schon genug, gilt übersteuerter, nölender Gesang weiterhin als Hauptmerkmal der Combo, woraus sich schiefe Melodien 'wie in Shoes and Tags' und häufig mehr Sprechparts als melodische Tonfolgen ergeben. "White Stuff" wahrt einen samt und sonders unfertigen Charakter; man ist sich nicht sicher, ob der Dilettantismus, den ROYAL TRUX auf ihrem Comeback an den Tag legen, authentisch ist oder bloßes So-tun-als ob. Die verträglichsten Momente erinnern an den Anti-Pop von Dinosaur Jr. und weniger düstere Sonic Youth, insbesondere und in Hinblick auf seine Heaviness in 'Sic Em Slow', dem haarsträubende Takt- und Stimmungswechsel die hässliche Krone aufsetzen. Aufgesetzt - so kommt zumindest diesem Schreiber auch die "gegen alles"-Haltung dieser Amis vor.
FAZIT: Unter der kratzigen Oberfläche von "White Stuff" passiert so einiges, doch man muss äußerst schmerzresistent sein, um ROYAL TRUX im fortlaufend stromlinienförmiger und "sauberer" werdenden Musikbetrieb liebzugewinnen. Nicht dass sie die Tatsache, ein krasser Gegenentwurf zu alledem zu sein, irgendwie zu einer besseren Band macht, doch wer sich wieder einmal so richtig von einer völlig unbedarft ohne Kalkül vorgehenden Kapelle verstören lassen möchte, liegt hier genau richtig. <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/3f8a231f6a2046729e619bf932547598" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 16.04.2019
Fat Possum
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05.04.2019