Bei „Mythologiae“ handelt es sich um das bereits 2015 erschienene vierte Album von Tausendsassa Déhà (auch Maladie, Clouds u.v.m.) unter dem Banner SLOW, das damals noch ein Soloprojekt bezeichnete. Seit 2017 arbeitet der Belgier mit Sängerin Lore B von Ter Ziele zusammen, die hier also noch nicht zu hören ist. Das neue Label des Duos spendiert für diese Neuauflage den im stilistischen Kontext der bekannten Stücke stimmigen Bonustrack ‚At The Break Of Dawn‘ und ein überarbeitetes Artwork – beides keine unbedingten Kaufgründe, falls man das solide Stück Doom Death bereits sein Eigen nennt.
Dabei spielt übrigens auch die Tatsache keine Rolle, dass der Brüsseler das Album größtenteils ein zweites Mal eingespielt, den Mix der beibehaltenen Elemente angepasst und ein neues Mastering vorgenommen hat. Ende 2017 erschien der Nachfolger "V", der im Vergleich zu den fünf bzw. sechs hier vertretenen Stücken etwas besser abschneidet, obgleich SLOW eben SLOW bleiben - Begräbnis-tauglicher Doom der bombastischen Sorte. An die Opulenz von Swallow The Sun, die nach wie vor die Referenzklasse in diesem Bereich darstellen, reicht Déhà nach wie vor nicht heran, während sich seine Kompositionsweise von jener der Norweger Funeral unterscheidet, die innerhalb der Szene die besten, weil verhältnismäßig kompaktesten Songs schreiben.
"IV" fußt vom eröffnenden 'The Standing Giant' an stark auf Ambient-Parts, zwischen denen Zeitlupen-Riffs, tiefe Growls und schrille Schreie mit subtiler Keyboard-Unterfütterung die eigentliche musikalische Substanz sind. Die Atmosphäre gestaltet sich - wie sollte es anders sein? - tieftraurig bis regelrecht qualvoll, forciert von dezent eingesetzten Streichersounds, einigen wenigen unverzerrten Parts und leider nur wenigen Melodien. In dieser Hinsicht ist die jetzige Inkarnation von SLOW der alten überlegen.
Der erwähnte Bonustrack reiht sich übrigens in puncto Stimmung, Ausrichtung und Qualität nahtlos hinter dem Hauptteil ein.
FAZIT: "IV – Mythologiae" bleibt auch in der "upgedateten" Version ein stilechtes und kompromisslos umgesetztes Genre-Werk, das Freunde des Nischenstils Doom Death (und nur solche) eigentlich verbindlich haben müssen. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/d1caf6da2ee3404d8266004333cdca82" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.01.2019
Code666 / SPV
72:12
25.01.2019