Es müsse ein Highlight der Bandgeschichte werden, ansonsten würde es nicht erscheinen, so Quo-Boss Francis Rossi im Vorfeld über „Backbone". Verständlich, dass Rossi sich seine Gedanken gemacht hat, schließlich handelt es sich hier um das erste STATUS QUO-Album ohne seinen Kreativzwilling Rick Parfitt. Noch dazu waren die letzten beiden Studioalben der Band, „In Search Of The Fourth Chord" und „Quid Pro Quo", nicht nur nach Meinung vieler Fans, sondern auch in den Augen der Kritiker zwei ihrer besten Alben seit (mindestens) den Achtzigern. Kurz: Rossi muss nun beweisen, dass er Quo auch alleine hinkriegt.
Der unglücklich gewählte Opener „Waiting For A Woman“ scheint dann die Befürchtungen der härtesten Parfitt-Fans zu bestätigen: ohne Saft, ohne Power, mit maximal angezogener Handbremse spielt sich die Band durch ein 08/15-Quo-Dutzendware-Nümmerchen, welches weder groovt, noch rockt, noch mit einer vernünftigen Hookline aufwarten kann. Die schwache, glatte Produktion verstärkt noch den Tanztee-im-Altersheim-Effekt.
Zum Glück bleibt der Opener aber der einzige Totalausfall. Schon mit dem zweiten Song „Cut Me Some Slack“ rollt die Quo-Maschine aber an, und man atmet entspannt auf.
Natürlich, warum sollte Rossi das Ding nicht schaukeln, wenn er doch schon lange 80 Prozent des Songwritings für die Studioscheiben erledigte?
Natürlich fehlt Rick an allen Ecken und Enden, da gibt's gar kein Drumherumreden, vor allem, weil die (Gottseidank!) seltenen Gesangsbeiträge der Restband auch im Studio so schaurig klingen wie live. Ungeachtet dessen ist "Backbone" ein solides Quo-Werk geworden, das mit dem klasse Titelsong sogar einen Kandidaten für zukünftige Best-Of-Sammlungen bereithält. Der Rest ist typische Boogie-Kost ohne Überraschungen, „Liberty Lane“, „Backing Off“ und das poppig angehauchte „Better Take Care“ ragen heraus, aber auch der Rest läuft ohne Augenbrauenhochziehen durch.
Mit einer deftigeren Produktion im Stil der erwähnten Vorgänger hätte das Album nochmal 'nen Extrapunkt herausgeschlagen, so nimmt der altbackene, wenig dynamische Sound der Sache aber zu viel Wirkung.
FAZIT: STATUS QUO als Rossi-Solo-Band funktioniert im Studio tatsächlich besser als live. „Backbone" ist vielleicht nicht das angekündigte Highlight, aber solides Mittelfeld im Quo-Kanon, und das ist durchaus mehr als erwartet.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 17.09.2019
Rhino Edwards
Francis Rossi, Ritchie Malone, Andy Bown, Rhino Edwards
Francis Rossi, Ritchie Malone
Andy Bown
Leon Cave
EARmusic
40:55
06.09.2019