Oha, die Covergestaltung von "Zeig dich!" kommt für BRDigungs Verhältnisse erstaunlich niveauvoll und ernst vor, aber musikalisch und inhaltlich hat sich bei der Band im Großen und Ganzen wenig geändert - warum auch angesichts ihres verhältnismäßigen Erfolgs?
Das Spektrum des siebten Albums der Kempener wird bereits von den den drei Video-Tracks 'Hipster Hipster' 'Walking Dead auf XTC' und 'Ob du behindert bist' abgesteckt. Der Lack von BRDigungs Mischung aus Deutschpunk, ein wenig Hardcore, Metal und Nullachtfuffzehn-Rock ist längst abgeblättert, doch die stoische Ruhe, mit der die Gruppe ihr Ding durchzieht, ohne nach links und rechts zu schauen, ist fast schon wieder sympathisch.
"Zeig dich!" knüpft im Besonderen mit 'Brich aus', 'Ob du behindert bist' und 'Vielleicht ja vielleicht nein' mehr oder weniger nahtlos an seine Vorgänger "Chaostheorie" und "Zeitzünder" an, und zwar sowohl kompositorisch als auch produktionstechnisch, denn BRDigung klingen seit spätestens 2016 absolut Radio-kompatibel, gediegene Härte hin oder her. Die anfängliche Hoffnung, die Texte der Combo seien brisanter geworden, erweist sich letzen Endes als haltlos, denn neben ein paar kritischen Lippenbekenntnissen dominiert der vertraute (leidige) Halbernst von 'Kein Fick' oder 'Dreh die Musik auf'.
Langspieler Nummer sieben der Band gibt es im Übrigen auch als umfangreich ausgestattetes Boxset in wenig umweltfreundlichem Plastik mit doofem Fähnchen, noch idiotischerer Brille, Flaschenöffner, Anstecker, Aufkleber und Autogrammkarte. Ihr einziger wesentlicher Vorzug sind die drei Bonustracks 'Es geht rund' 'Wenn der Vorhang fällt' im akustischen Gewand und 'Lass uns leben'.
FAZIT: Eine Dreiviertel Stunde lang lässt man sich das ewig gleiche Gerödel von BRDigung auch 2020 noch gefallen, wenn man relativ schmerzfrei ist in Bezug auf Rockmusik mit deutschen Texten. Ansonsten ist "Zeig dich!" ein weiteres Pathos- und Proletentum-schwangeres Ärgernis, dessen Schöpfer auch noch so dreist sind, gelegentlich Betroffenheit in Anbetracht des aktuellen Zeitgeschehens zu heucheln. Muss halt sein, damit sie selbst und ihre Fans ein gutes Gewissen haben … <img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/696789c7e95c410fbb701c3959d595f4" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.01.2020
Drakkar
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31.01.2020