Zurück

Reviews

Brave the Cold: Scarcity

Stil: Extrem-Metal

Cover: Brave the Cold: Scarcity

Über das Verhalten von Napalm-Death-Gitarrist (oder nicht mehr?) Mitch Harris kann man sich momentan nur wundern. Während er sich bei seiner Hauptband bewusst gegen Beiträge zum Komponieren des jüngsten Krachers "Throes Of Joy In The Jaws Of Defeatism" gesperrt hat, macht er scheinbar beiläufig eine neue Baustelle auf, wo er sich als Haupttriebfeder an die Spitze stellt. Die Idee zu BRAVE THE COLD kam ihm und Megadeth-Drummer Dirk Verbeuren zwar schon 2018, doch dass ausgerechnet jetzt ihr Debüt erscheint, wirkt wie ein bewusst inszenierter Konkurrenzkampf, selbst wenn der Stil auf "Scarcity" ein anderer ist als jener von Barney Greenway und Konsorten.

Extremer Metal ist das, was die beiden spielen, trotzdem fast unweigerlich. Sie pendeln zwanglos zwischen Death Thrash und tatsächlich Grindcore-lastigem Sperrfeuer hin und her, wobei der subtile Einsatz von Keyboards und Harris' gut verständliches Fauchen bis Kreischen einen gewissen Ministry-Touch haben; die Industrial-Vorlieben des Bandleaders sind ja bekannt, genauso wie die famosen Fähigkeiten seines Schlagzeugers.

Die Fills und Breaks, ja generell das Geknüppel, das Verbeuren demonstriert, genügen allerdings nicht, um "Scarcity" zu einem großen Spektakel zu machen. Hier und dort verzetteln sich BRAVE THE COLD in unnötig komplizierten Rhythmen ('Hallmark of Tyranny'), wohingegen es genau dann am interessantesten wird, wenn Mitch seinen Hang zu Voivod (der ihn mit seinem Napalm-Kollegen Shane Embury ein) auslebt wie während des melodischen, harmonisch vielschichtigen 'Retrograde'.

<iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/qAg9duCfC5M" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe>

Logan Mader (Machine Head, Soulfly) hat das Ganze übrigens wie von ihm gewohnt seelenlos kalt "modern" produziert … durchaus passenderweise angesichts des Stils des Duos und der dystopischen Inhalte der Texte. Über weite Strecken wirkt die Scheibe aber unterm Strich zu zerfahren, um als erstes Zeugnis einer auf eine längerfristige Existenz hin ausgerichtete Band großen Rummel zu erzeugen. Nennt sie deshalb …

FAZIT: … eine unkommerzielle Liebhaberei oder einen durchschnittlichen Aufguss von Meshuggah und Darkane, beides ist wohl weder ganz richtig noch völlig falsch. Physisch erscheint "Scarcity" erst im Dezember 2020, falls ihr das hier schon früher lesen solltet - bis dahin also auf den Streaming-Plattformen zur Probe hören … <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/24373fc5067b426fa90e95ae0b99a2e0" width="1" height="1" alt="">

Punkte: 9/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.09.2020

Tracklist

  1. Blind Eye
  2. Hallmark of Tyranny
  3. Monotheist
  4. Retrograde
  5. Apparatus
  6. Dead Feed
  7. Upheaval
  8. Refuge
  9. Necromatrix
  10. Shallow Depth
  11. Shame and Ridicule

Besetzung

Sonstiges

  • Label

    Mission Two Entertainment

  • Spieldauer

    38:09

  • Erscheinungsdatum

    02.10.2020

© Musikreviews.de