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Breidablik: Omicron

Stil: Bergen School of Electronic Music

Cover: Breidablik: Omicron

Mit einer Gesamtspielzeit von rund 43 Minuten teilt sich Album Nummer vier von BREIDABLIK zwar auf zwei Lieder auf, doch das ist vor allem dem nostalgischen LP-Format geschuldet, und prinzipiell ist die Komposition von "Omicron" so angelegt, dass sie von Anfang bis Ende und dann gleich wieder von vorne gehört werden kann, dem griechischen Buchstaben entsprechend. So viel zunächst zu einigen Eckdaten und der Zielsetzung von Bandgründer Morten Birkeland Nielsen, den die Muse des öfteren zu küssen scheint (vier Langspielalben in vier Jahren fallen neben Familie und Arbeit ja nicht einfach vom Himmel).

Der Norweger lässt es erneut ruhig angehen und baut dieses Mal auf die feinfühlige Hilfe von Tusmørke-Tausendsassa Håkon Oftung, der die synthetischen Klänge um Gitarre und Flöte - unaufdringlich wie geschmackvoll - bereichert. Atmosphärisches Donnergrollen könnte kaum friedlicher (quasi so metal-untypisch wie nur möglich) mit der Musik verwoben werden, die bei aller Luftigkeit und Leichtigkeit stets von einer Ahnung des Sakralen umweht scheint. Die Selbstverständlichkeit, mit welcher der in Bergen lebende Musiker die Berliner Schule interpretiert, sorgt dafür, dass der Aufbau nie gezwungen wirkt, sondern natürlich fließend, somit über den Verdacht des bloßen Kopistentums erhaben, und mehr noch: Trotz der unüberhörbaren Nähe zu Tangerine Dream, wahrlich old-schooligen Sounds und einer ausgesprochen traditionellen Herangehensweise, klingt BREIDABLIK angenehm frisch und einladend, eher nach belebender Brise als nach trübem Dauerregen (der in der Küstenstadt ein häufiger Gast ist). Also auch in dieser Hinsicht ein Gegenentwurf zu den düsteren minimalistischen Ambient-Alben eines ehemaligen Nachbarjungen, der in den Neunzigern den Black Metal wie kaum ein anderer Protagonist jener Tage prägte. BREIDABLIK zeichnet hingegen eine kompositorische Reife aus, die vielleicht ebenso in der Gelassenheit des Tondichters wurzelt, der niemandem etwas beweisen muss, sowie in seiner Liebe zu Klangwelten, die längst nicht so altbacken tönen, wie ihnen mancherorts nachgesagt wird. Das spiegelt sich auch in der hellen Gestaltung des Albums und der klaren Produktion der im Studio Wahnsinn-Idyll (aha...) getätigten Aufnahmen.
Die CD-Version erscheint mit zwei neu gemischten und gemasterten Stücken des "Penumbra"-Albums (2017).

FAZIT: Die sich selbst als "progressive Elektronik-Band" beschreibenden BREIDABLIK musizieren zweifelsohne für ein Nischenpublikum in der Peripherie einiger ins Hintertreffen geratener Musikszenen, von denen niemand allzu Überraschendes erwarten sollte. Doch wer sanfte elektronische Musik zum Beobachten des Wolkenzugs (wie ich bereits zum Vorgänger-Album "Nhoor" schrieb), zum Sonnenaufgang oder zum ruhigen, konzentrierten Arbeiten sucht, für den könnte sich "Omicron" als Glücksgriff erweisen, dessen sublime Qualität sich erst nach einigen Durchläufen erschließt.

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 29.02.2020

Tracklist

  1. Omicron Pt.1
  2. Omicron Pt.2
  3. Penumbra Pt.1 (CD Bonus)
  4. Penumbra Pt.2 (CD Bonus)

Besetzung

  • Gitarre

    Håkon Oftung

  • Keys

    Morten Birkeland Nielsen

  • Sonstiges

    Håkon Oftung (Flöte)

Sonstiges

  • Label

    Pancromatic Records

  • Spieldauer

    43:10

  • Erscheinungsdatum

    29.02.2020

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