Man braucht nicht lange um den heißen Brei zu Reden oder einen Kreis zum Quadrat zu machen, wo Musik von vornherein als uneingeschränkt runde Sache vorgesehen war: „Desolation Blue“ ist nichts mehr und nichts weniger als Eine abendfüllende Platte zum Verbringen einer lauschigen Zeit mit Gleichgesinnten - also Anhängern klassischer Hardrock-Bands, auf die sich nach wie vor eine ganze Menge (zu viele) Musiker jüngerer Generationen besinnen, ohne etwas Eigenes zum Zeitgeist beizutragen.
Auch BUFFALO SUMMER sind keine Neuerer und sicherlich auch nicht mit diesem Anspruch ins Rennen gegangen. Das Quartett legt hiermit bereits seine dritte Scheibe vor, und die darauf enthaltenen Songs nehmen ihrem bislang zusammengetragenen Reperoire wenig bis nichts, was ihre kompositorische Prägnanz oder stilistische Ausrichtung betrifft.
Angesichts ihrer Herkunft - aus dem Süden von Wales - klingt die Gruppe verblüffend "echt" amerikanisch, weil sie lieber die Ärmel hochzukrempeln scheint, um satten Hauruck wie Grand Funk Railroad und Genossen abzuliefern, als auf den zunehmend progressiven und epischen Pfaden von beispielsweise den späten Led Zeppelin zu wandeln. Einflüsse beider Legenden sind nicht von der Hand zu weisen, aber man könnte auch Humble Pie und - speziell wegen des Southern-Einschlags, Lynyrd Skynyrd, Allman Brothers oder - um eine neuere Kapelle zu erwähnen - Black Crowes als Referenzen aufführen.
Aber zur eigentlichen Sache: Unter dem Dutzend Tracks stechen der knallige Opener 'The Power & The Greed' (eine exzellente Absichtserklärung mit durchaus kritischem Text), das finster zynische 'Everybody’s Out For Number 1' und das Riff-Gewitter 'If Walls Could Speak' als massentauglichste Nummern hervor, dicht gefolgt vom wie die jungen Stones stampfenden 'Hit The Ground Running' und dem ebenso schwungvollen 'Untouchable'. Die traditionelle Power-Ballade 'Dark Valentine' riecht quasi nach Hippie-Weihrauch und Patchouli, ehe auch 'The Bitter End' esoterische Anwandlungen zu Tage fördert.
FAZIT: Sollte "Desolation Blue" einen Schönheitsfehler haben, ist es der gleiche wie jener seiner zwei Vorgänger: BUFFALO SUMMER sind eigentlich geborene Psychedelic Rocker, lassen sich aber zu selten auf dieses Terrain ein und bleiben lieber bei breitbeinigem Stoff, als wollten sie auf Gedeih und Verderb groß herauskommen, obwohl der Retro-Kuchen längst verteilt ist. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/5c489a81279041b1b598374e9e06c1af" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.03.2020
Silver Lining /
50:12
27.03.2020