Zwei Jahre nach ihrem beachtlichen Debüt „Bring It On Home“ legen die HEAD HONCHOS mit „Blues Alliance“ ihr zweites Werk vor. Ist es nun einer dieser verflixten Zweitlinge – oder vermag das Vater-Sohn-Gespann aus Indiana das Niveau ihres ersten Albums zu halten? Die Antwort ist keine eindeutige.
„Blues Alliance“ ist als Ganzes schneller, wuchtiger und eine Spur ungehobelter als der Vorgänger; während diesem die Studioarbeit noch gut anzuhören war, ist der „neue“ Sound nun näher in den Bühnenbereich gerückt, wirkt spontaner und direkter. Ein Paradebeispiel dafür – und zugleich ein Highlight des Albums – ist „She Got That Thang“ mit seinen doppelten Gitarrenläufen und den locker-gekonnten Kurzbeiträgen von Wyatt, Boyle und Landes.
Und über diesen Song hinaus? „Number One“ ist ein (zu) kurzer und mitreißender Southern-Rocker, und „Stuck Between The Middle“ darf man durchaus als elektrisierenden Opener bezeichnen – ein Versprechen allerdings, das der Rest des Albums nur teilweise einzulösen vermag. In Sachen Songwriting folgt da wenig Aufregendes, und auch im musikalischen Bereich gibt es statt Mitreißendes ein hartnäckig anhaltendes Déjà-entendu-Erlebnis. Untadelig indes ist die musikalische Kunstfertigkeit des Quartetts, da gibt’s nichts zu kritteln.
Ihre neun eigenen Songs hat die Band mit zwei Cover-Versionen höchst unterschiedlicher Qualität ergänzt: „Evil“, den Blues-Standard aus der Feder von WILLIE DIXON, haben die Caliparis mit schneidenden Gitarren und mit Beihilfe des hier hypernervös trommelnden Will Wyatt geradezu massakriert. Wesentlich erfreulicher tönt die Adaption von AL GREENS „I’m A Ram“ – hier transportieren die Slide-Gitarren in ganz passender Weise den Soul des Originals!
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FAZIT: Freunden kräftigen Blues-Rocks und Gitarren-Feuerwerks ist „Blues Alliance“ durchaus zu empfehlen, auch wenn die HEAD HONCHOS mit ihrem Zweitling die bekannten Pfade des Genres nicht verlassen und damit auch bestimmt nicht Rockgeschichte schreiben werden. Die Blues-Allianz von Vater und Sohn Calipari funktioniert jedoch solide und zuverlässig.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 23.10.2020
Mike Boyle
Rocco Calipari Sr.
Rocco Calipari Sr., Rocco Calipari Jr.
Will Wyatt
Will Wyatt (Harmonica & Backing Vocals), Mark Landes (Keyboards on „She Got That Thang“)
Grooveyard Records/Just For Kicks Music
43:47
28.08.2020