Neben u.a. Chicago im US-Bundesstaat Illinois war auch Milwaukee zur Death-Metal-Gründerzeit eine Brutstätte für einige der frühsten Genre-Acts, von denen die 1990 entstandenen MORTA SKULD der bekannteste und langlebigste sein dürfte.
Die drei Alben, die Bandkopf David Gregor und seine Mitstreiter in ihrer Frühphase über das britische Label Peaceville veröffentlichten, gehören zu den Zweitreihen-Klassikern des Genres, und obwohl der Ofen nie wirklich ausging, köchelten MORTA SKULD eine ganze Weile lang auf Sparflamme, während etliche und teils jüngere Landsleute auf der Überholspur gen Erfolg vorbeizogen, weshalb 1997 eine mehr oder weniger genau 20 Jahre währende Studiopause begann.
"Suffer For Nothing" erscheint nun drei Jahre nach dem gelungenen Comeback "Wounds Deeper Than Time" und setzt dessen Linie in gleicher Weise fort, wie man es sich angesichts des in eine ähnliche Richtung zielenden Titel denken kann. Die Platte ist schonungslos anachronistisch und dank der Souveränität, die sich das aktuelle Line-up mit Gregor als Hauptsongwriter hat angedeihen lassen, eine sichere Bank, wenn es um Death Metal geht, wie er im Grunde genommen nur aus den Vereinigten Staaten kommen kann.
Die eröffnende Vorab-Auskopplung 'Extreme Tolerance' gehört gleich neben dem rhythmisch komplexeren 'Dead Weight' zu den melodischsten Tracks des Albums, wobei das primitiv zwischen Raserei und Midtempo pendelnde 'Godlike Shell' - mit knapp drei Minuten noch kürzer als die Single - allerdings genauso eingängig ausfällt. Sowieso legen MORTA SKULD auf "Suffering For Nothing" anscheinend besonderen Wert darauf, möglichst schnell ins Ohr zu gehen.
'Divide the Soulless' steht stellvertretend für die Höhlenmenschen-Blastbeats, mit denen insbesondere Cannibal Corpse und Suffocation nicht nur groß, sondern auch zu Inbegriffen des US-Sounds geworden sind. Abgesehen von der leicht punkigen Nummer 'The Face I Hate' lässt die Scheibe wenig Spielraum für Variationen, doch Tempowechsel und von jedem Schwachkopf mitbrüllbare Hooklines genügen, um sie für Genre-Verhältnisse maximal unterhaltsam zu machen.
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FAZIT: MORTA SKULDs siebter Longplayer verkörpert die unverfälschte Lehre des US Death Metal mit Texten, die Reflexionen auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen darstellen, gefiltert durch die blutrote Szene-Brille - eine dröge Angelegenheit eigentlich, wenn die enthaltenen Stücke nicht so schnell zünden würden. So lässt man sich Konservatismus gefallen … <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/30a654bc29e543e8b4f9c81d3caf421c" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.09.2020
Candlelight / Universal
40:59
25.09.2020