„Ein Mann ist dazu verdammt, frei zu sein!“
Huch, eröffnen wir jetzt die nächste Gender- und Quotendebatte?
Vielleicht sollten wir dann auch gleich mal über eine Frauenquote im Progressive Rock reden!
Hallo, liebe Frauen, wo seid ihr alle geblieben?
Wir fordern jetzt mal ganz frech eine Prog-Frauenquote. Auch wenn ihr die Musik Scheiße finden solltet – wennschon, dennschon.
Dabei geht es doch auch im Prog so oft um euch, um die Liebe, um Gött(er)innen und Held(inn)en.
Und trotzdem ignorieren die meisten von euch diese radiountaugliche Musik. Woran liegt das nur?
Oder wollen wir es einfach doch einmal dabei belassen, dass es nicht nur musikalische Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die keinerlei Quote bedürfen, weil sie sich ausschließlich auf Interessen und Begabungen und Können und Geschmack beziehen – und über den kann man streiten und zwar ganz gehörig bei dem doch sehr seltsame Prog-Album „CBF10“ der britischen Progrocker MULTI STORY. Und so viel sei schon mal vorab verraten – mit diesem britischen Neo-Prog-Output werden beide Geschlechter aus ganz banalen Gründen größere Probleme haben.
Der erste Wunsch nach weiblicher Intuition würde bei „CBF10“ jedenfalls ganz klar ausfallen: Produktion, Mix und Mastering wären in weiblichen Händen garantiert besser aufgehoben gewesen, als das, was wir hier von den „verdammt freien“ Männern zu hören bekommen.
Liebe Leute, wie man anno 2020 ein dermaßen schlecht produziertes Album abliefern kann, ist schon unglaublich. Damit kann man unter den Männern wie Frauen nicht punkten, sondern höchstens den letzte Blumentopf gewinnen. Dabei ist die Erwartung auf die Musik groß, wenn man das im gänzlichen Gegensatz zum Sound sehr ansprechend gestaltete Digipak in den Händen hält und sich im 24-seitigen Booklet alle Texte durchliest, die Bilder betrachtet und in der Mitte auf besagten Satz trifft, der diese Review in deutscher Übersetzung einleitet.
MULTI STORY lieben den ruhigeren Neo Prog und praktizieren ihn gleichermaßen – allerdings ohne jemals die Qualität der als Referenz angegebenen Bands zu erreichen – in Richtung IQ, PENDRAGON und GALAHAD. Eine Prise AOR plus ein paar härtere Ausbrüche dazu sowie die eine oder andere Ballade und fertig ist der Prog-Lack, der mehr Risse als wirkliche Feinheiten aufweist. Viel zu oft wird der Sänger und Texter Paul Ford, dessen Stimme nicht sonderlich beeindruckt, in den Vordergrund gemixt, während die Instrumente sich schwammig im Hintergrund ausbreiten. Höhen – Pustekuchen. Echte Stereo-Effekte – Pustekuchen. Melodien, die hängenbleiben – Pustekuchen.
Wenn die Zukunft des Neo-Progs wie „CBF10“ von MULTI STORY klingen würde, dann hätte diese progressive Spielart keinerlei Zukunft mehr! Ein Neo-Prog-Pustekuchen-Album!
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FAZIT: Außen hui und innen pfui! Leider muss man sich als Kritiker so hart zu dem miserabel arrangierten und soundtechnisch schlecht produzierten, aber von Gestaltung und Booklet überzeugenden Neo-Prog-Album „CBF10“ von MULTI STORY äußeren. Was die britischen Neoprogger einem hier anbieten, sollte man ganz schnell wieder vergessen.
Punkte: 4/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 08.12.2020
Rob Palmer, Aedan Neale, Adji Shuib
Paul Ford
Aedan Neale, Simon Rogers, Mike Hagland
Rob Wilsher
Jordan Neale
Festival Music/Just For Kicks
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06.11.2020