<b>„Wir waren vielleicht die erste Band, die groß ZZ TOP gespielt haben…“</b> (Ali Neander)
Sie nennen es seit über 40 Jahren „Qualitätslärm“, was sie als Musiker machen und bezeichnen sich als Stimmakrobaten, Gitarren- und Schlagwerkvorarbeiter, Bassgitarrenzupfer und Saxophonbläser. Die Insider und selbst so einige NDW-Anhänger oder alle Ruhrpott-Musikliebhaber sowie ganz besonders die Hessen wissen natürlich, um wen es hier geht: Die sich nie wirklich zu ernst nehmenden, „wie die Getränkelieferanten ihrer Roadies“ erscheinenden Deutschrocker RODGAU MONOTONES, denen es mit „Die Hesse komme“ sogar gelang, einen echten Hit im damals wild aus allen noch so seltsamen Musikritzen sprießenden NDW-Umfeld zu platzieren.
MIG Music haben mal wieder tief in den Rockpalast-Archiven gegraben und gleich zwei Konzerte ausgebuddelt, in eine fette Hardcover-Box mit 3 CD's und zwei DVD's plus einem 12-seitigen Booklet gepackt und darauf „Live At Rockpalast 1984 & 1985“ geschrieben. Und schon hat der Fan der Band und vom Rockpalast für sein eigenes Musik-Archiv die kompletten Rockpalast-Konzerte der RODGAU MONOTONES vom 13. November 1984 in der Bochumer Zeche und vom 19. Oktober 1985 aus der Essener Grugahalle. Allerdings erweist sich der Sound von insgesamt wechselnder Qualität, mal zu dumpf und verwaschen, dann aber wieder bei Gitarren-Soli oder dem extrem verrückten Cello-Ekstase-Auftritt von Frank Wolf als fett und klar. Offensichtlich wurde die Musik im Verlaufe beider Konzerte nach und nach ausgesteuert, sodass anfängliche Klangschnitzer ausgetilgt werden können, zwischendrin aber immer wieder Probleme auftreten.
Für die RODGAU MONOTONES war es eine große Ehre, zweimal als deutsche Band im Rockpalast deutschrocken zu dürfen – und noch dazu die zweite deutsche Rockband zu sein, die überhaupt beim Rockpalast auftrat: „Das war eine klein Trophäe. Rockpalast hatte eine zentrale Bedeutung. In ganz Europa saßen die Leute vorm Fernseher. Wer im Rockpalast war, der war schon mal jemand ganz anderes… Wie waren erst die zweite deutsche Band dort. Es war das Beste, was du erreichen konntest.“
Der Sänger Peter Osterworld, der ein wenig wie die vollbärtige Variante von Pumuckel mit einer großartigen Stimme erscheint (und sogar in Bochum „Hurra, Hurra, der Pumuckel ist da!“ singt), klingt ähnlich rau und anheimelnd wie MOFF MOLLO von GROBSCHNITT – und die Ostrock-Freunde werden sich bei den vielen soul-rockigen RODGAU MONOTONES-Nummern, besonders des Essener Konzerts, bei dem zusätzlich Trompeter und weitere Sänger/innen mit auf den Plan treten, garantiert an die hervorragende MODERN SOUL BAND und/oder den „Zeit, die nie vergeht“-Sänger MICHAEL BARAKOWSKI von PERL aus der DDR erinnern.
Der zweite sangesfreudige Mann im Bunde, der noch dazu richtig gut Saxophon spielt, ist Henni Nachtsheim, der nach den RODGAU MONOTONES richtig erfolgreich im Komiker-Duo BADESALZ durchstartete. Und wie viel Sinn für Humor er bereits bei der hessischen Band hat, kann man bereits im Rockpalast bewundern, besonders bei dem kabarettistisch-musikalischen Stück „Hallo ich bin Hermann“.
Aber auch der kettenrauchende Gitarrist Ali Neander beeindruckt mir ausgiebigen Gitarren-Soli, die natürlich auf der Rockpalastbühne besonders beeindruckend rüberkommen.
Weniger beeindruckend dagegen ist die Tatsache, dass im Inneren der von MIG veröffentlichten Box sich neben dem Booklet nur fünf unbedruckte Innenhüllen befinden, in denen sich die drei CD's und zwei DVD's tummeln, und noch dazu ist auf der DVD 1 das zweite (Essener) und nicht das, wie auf der Box vermerkte, erste Konzert zu sehen und hören. Die zweite DVD enthält dann dementsprechend das Bochumer Konzert. Sparen ist ja schön und gut – aber bitte doch nicht im Rahmen der traditionellen Rockpalast-Reihe.
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FAZIT: „Erbarmen, die Hesse komme“ und heißen natürlich RODGAU MONOTONES, die es mit ihrem Deutsch- und Cover-Rock sowie viel Sinn für Humor im Jahr 1984 und 1985 auf die Bühne des Rockpalasts in Bochum und Essen schafften, wovon nunmehr die dicke, mit drei CD's und zwei DVD's bestückte Box „Live At Rockpalast 1984 & 1985“ ausführlich in mittelmäßigem Ton und Bild Auskunft gibt.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.09.2020
Joky Becker
Peter Osterwold, Henny Nachtsheim
Ali Neander, Raimund Salg
Mob Böttcher
Henny Nachtsheim, Christian Schneider (Saxophone), Frank Wolf (Cello), Susanne Grawe, Gerd Knebel (Gesang)
MIG Music
CD's - 202:12 / DVD's - 203:38
28.08.2020